Gorilla-Journal 21, Dezember 2000
Gorillabesuch in Ruanda
Im August 2000 besuchten Hans-Christian Ströbele, Abgeordneter
der Bündnisgrünen, und ich den Parc National des Volcans in
Ruanda sowie das Mountain Gorilla Veterinary Center in Ruhengeri. Ute
Eilenberger begleitete uns auf unseren beiden Besuchen zu den Gorilla-Familien
Sabinyo und Susa.
Die vorgeschriebene Höchstzahl von 8 Besuchern wird nicht immer eingehalten;
bei der Sabinyo-Gruppe waren wir 9, bei der Susa-Gruppe 5 Personen. Hinzu
kommen mehrere Guides und die unvermeidliche Militäreskorte. Aus
Sicherheitsgründen werden die Touristenbesuche immer noch von Militär
begleitet. Auch wenn klare Verhaltensmaßregeln für die begleitenden
Soldaten verhindern sollen, dass sich die Gorillas beunruhigt fühlen,
kam es bei dem Besuch bei der Sabinyo Familie doch zu einigen Irritationen,
insbesondere beim Silberrücken, weil sich die Soldaten nicht an die
Regeln hielten.
Bei beiden Besuchen wurde der Schutzabstand von 7 m zwischen Menschen
und Gorilla unterschritten. Ute Eilenberger sah dies mit einigem Unbehagen,
vor allem als ein Schwarzrückenmann der Susa-Gruppe den Chef-Guide
mit Liebesbezeugungen bedachte. Mit festem Griff packte er den Mann am
Kragen (er kennt ihn schon viele Jahre), zog ihn an sich, drückte
sein Gesicht sehr freundlich an seine eigene Wange und hielt den Gefangenen
einige Zeit fest. Ein beeindruckendes, aber auch höchst zwiespältiges
Erlebnis. Möge es für beide ohne gesundheitliche Folgen bleiben!
Wildhüter und Guides beeindrucken durch ihr Engagement, ihre Kenntnisse
und den Respekt vor den Gorillas, aber auch durch ihre freundliche Professionalität
den Touristen gegenüber. Durch den hohen Verschleiß benötigen
sie dringend Ausrüstung.
Die Regierung steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die zurückkehrenden
Flüchtlinge anzusiedeln. Sie fördert ihre Niederlassung in Dörfern,
obwohl die traditionelle Siedlungsform Höfe im Umfeld der Felder
sind. Siedlungen und Dörfer reichen schon bis an den Waldrand. Dringend
notwendig wäre jetzt die Einrichtung von Pufferzonen. Hier ist die
internationale Kooperation gefordert, die sich seit Kriegsende aber viel
zu stark zurückhält. Naturschutz und Förderung der Entwicklungschancen
für Menschen sind hier untrennbar miteinander verbunden.
Juliana Ströbele-Gregor
Foto: Sylvia Wladarz
Bei solcher Nähe können leicht Krankheiten
übertragen werden
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