Gorilla-Journal 21, Dezember 2000
Maïko ist in Gefahr
Die Lage im Nordosten des Kongo ist noch immer sehr instabil. Bereits
vor dem Krieg war das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und
der Maïko-Parkverwaltung gespannt. Wilderer und Goldsucher hatten
sich immer wieder illegal in dem 1 Million Hektar großen Schutzgebiet
aufgehalten und einen kommerziellen Handel mit Wildfleisch, Gold und Elfenbein
betrieben. Der Nationalpark bot für die lokale Bevölkerung kaum
Vorteile, da zum Beispiel der Tourismus nicht entwickelt war.
Nun scheint der Schutz des Nationalparks faktisch zusammengebrochen zu
sein zumindest verheißen die spärlichen Berichte nichts
Gutes. Das Park-Personal wurde seit 3 Jahren nicht mehr bezahlt. Masasu
Faustin, Chef-Konservator im Nordsektor, konnte die Miete seines Hauses
nicht mehr aufbringen und lebt nun 100 km von der Parkgrenze entfernt.
Auch die Wildhüter leben außerhalb der Parkgrenzen. Es ist
unklar, ob die Wildhüter der zentralen und südlichen Sektoren
ihre Gebiete noch kontrollieren können, da sich im Park bewaffnete
Rebellen und marodierende Deserteure aufhalten.
Für Gorillas, Schimpansen, Okapis, Bongos, Waldelefanten und viele
andere Tierarten fürchtet Masasu das Schlimmste, denn die Soldaten
jagen mindestens zweimal pro Woche Elefanten, um das Fleisch zu verkaufen.
Auch die Rebellen finanzieren sich über den Verkauf von Fleisch,
Gold und Erzen. Die Wilderer können heute so viele Tiere erlegen
wie noch nie, da sie über automatische Waffen, Gift und konventionelle
Fallen verfügen. Masasu schätzt, dass ein Jäger 500 Fallen
unterhalten kann. Sehr bedenklich ist, dass nach Auskunft eines Mitarbeiters
von Ärzte ohne Grenzen der Fleischhandel in der Region floriert.
Solange die großen Waldflächen nicht abgeholzt werden, hat
das Gebiet dennoch eine Chance, sich zu regenerieren. Es lohnt sich, gegen
die illegale Jagd zu kämpfen, denn in Bezug auf seine Artenvielfalt
ist Maïko vielleicht das interessanteste Waldgebiet des Landes. Sehr
kritisch ist, dass der Park nicht zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt
und deshalb nicht die gleiche politische und finanzielle Unterstützung
erhält wie die 5 UNESCO-Parks.
Jo Thompson
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