Gorilla-Journal 21, Dezember 2000
Neues aus Kahuzi-Biega
Im Kahuzi-Biega-Nationalpark sind seit Mai die beiden Stationen Mugaba
und Tshibati wieder besetzt. Dies war möglich, nachdem die Wildhüter
ihre Waffen zurückbekommen und die Patrouillen wieder aufgenommen
hatten. Inzwischen kontrollieren die Wildhüter wieder etwa 10% der
Parkfläche.
Am 17. Juni überfielen bewaffnete Rebellen nachts die Station Tshivanga.
Einer der Wildhüter wurde bei dem Angriff verletzt. Die Parkmitarbeiter
setzen ihre Kontrollen in diesem Parkteil trotz des Vorfalls fort. Sie
verbringen aber die Nächte nicht mehr in der Station.
Dank der engagierten Arbeit der Wildhüter wurden im Juni keine weiteren
Gorillas von Wilderen getötet. Dem Mitarbeiterteam zur Bekämpfung
des Handels mit gewilderten Tieren gelang es, ein Gorillababy, einen Pavian
und eine Meerkatze in Bukavu zu beschlagnahmen. Die Untersuchung des Handels
dauert noch an, da die Hintermänner bisher nicht bekannt sind. Leider
ist das Gorillababy, das Bitorwa genannt wurde, in der Zwischenzeit gestorben,
vermutlich an einer Infektion.
Im Juni fand unter Leitung des kongolesischen Biologen Omari Ilambu eine
Bestandsaufnahme der Gorillas und Elefanten im Bergwaldsektor des Parks
statt. Dabei wurden 130 Gorillas gezählt - also nicht nur 70 Tiere,
wie man Anfang des Jahres noch gefürchtet hatte (1996 waren es noch
245-270 Tiere). Die Elefanten sind inzwischen jedoch völlig ausgerottet.
Im Bereich des Korridors, der die beiden Teile des Kahuzi-Biega-Nationalparks
verbindet, begannen Parkmitarbeiter im Mai, die illegale Landnutzung zu
bekämpfen. Sie vertrieben illegale Siedler aus dem Park, verhafteten
32 Personen, verbrannten Holzkohleöfen und beschlagnahmten Vieh,
das im Park weidete. Als Reaktion auf diese Schutzmaßnahmen bedrohten
einige kriminelle Regierungsmitarbeiter leider die Parkangestellten, um
sie einzuschüchtern.
Foto: Carlos Schuler
Bitorwa
Die Born Free Foundation, die bereits ein Fahrzeug für Kahuzi-Biega
gestiftet hat, will sich jetzt noch stärker im Park engagieren
mit Zuschüssen für Benzin- und Baukosten, Uniformen usw. Sie
bieten Patenschaften für eine Gorillagruppe an.
Neue Bestandsaufnahme 2004
Rückschlag
Anfang September 2000 fand beim Kahuzi-Biega-Park eine Diskussionsrunde
statt, an der u. a. Mitarbeiter des ICCN, Regierungsvertreter, lokale
Würdenträger und Vertreter der Bevölkerung teilnahmen.
Sie wollten beschließen, wie der Kahuzi-Biega-Nationalpark besser
geschützt werden kann. Die Verhandlungen verliefen sehr gut - bis
zum letzten Tag, dem 5. September, als Interahamwe-Rebellen die Versammlung
überfielen. Sie töteten insgesamt 10 Personen. Zwei Regierungsberater
und drei Mitarbeiter des GTZ-Projekts wurden als Geiseln festgehalten
und später wieder freigelassen, die übrigen Teilnehmer flüchteten.
Viele wurden verwundet.
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