Gorilla-Journal 20, Juni 2000

Neue Einteilung der Gorillas

Im Jahr 1929 wurden alle Gorillas in eine einzige Art eingeordnet. Heute tendieren immer mehr Fachleute dazu, zwei Arten zu unterscheiden: die Westlichen und die Östlichen Gorillas. Dass die Einteilung der Gorillas in den letzten Jahren wieder neu diskutiert wurde, liegt an der modernen Genetik. Nach der traditionellen Definition gehören Tiere zu verschiedenen Arten, wenn sie sich nicht fruchtbar miteinander fortpflanzen; bei Gorillas ist jedoch nicht bekannt, ob sich östliche mit westlichen Tieren kreuzen können. Daher zieht man immer mehr die Ähnlichkeit des Erbmaterials dazu heran.
Bereits vor einigen Jahren untersuchten Maryellen Ruvolo und ihr Team Teile der Mitochondrien-DNS (mtDNS) verschiedener Menschenaffen und stellten fest, dass die Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Gorillas etwa so groß wie die zwischen Schimpansen und Bonobos sind. Ähnliche Ergebnisse erhielten kürzlich Michael Jensen-Seaman und Ken Kidd, als sie ein anderers Stück mtDNS westlicher und östlicher Gorillas verglichen. Folglich sollten die Gorillas in zwei Arten getrennt werden
Es gibt allerdings auch Gegenargumente. So lieferten Untersuchungen der Zellkern-DNS andere Resultate: Die Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Gorillas waren hier wesentlich geringer als die zwischen Schimpansen und Bonobos.
Dieser Widerspruch könnte dadurch entstanden sein, dass sich die Gorilla-Populationen entwicklungsgeschichtlich erst später getrennt haben als Schimpansen und Bonobos. Vorstellbar wäre auch ein gelegentlicher Kontakt der beiden Populationen mit einem Austausch von Erbanlagen über einen Regenwald-Korridor, der beim Rückgang des Regenwalds noch längere Zeit zwischen den Lebensräumen der westlichen und der östlichen Gorillas bestanden haben könnte.
Unklar bleibt jedoch die Ursache für den Unterschied zwischen den Ergebnissen aus Zellkern- und mtDNS. Bisher wurde kein objektiver Standard definiert, wie groß der genetische Unterschied sein muss, damit zwei Populationen verschiedenen Arten zugeordnet werden müssen. Bevor dies eindeutig geklärt ist, sind weitere Studien notwendig. Die Gorilla-Taxonomie wird deshalb vermutlich noch länger diskutiert werden.

Michael Jensen-Seaman

Im April 2000 trafen sich zahlreiche Primatologen in Washington, um die systematische Einteilung der Primaten (Affen) neu zu diskutieren. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass man wesentlich mehr Arten unterscheiden sollte als bisher üblich. Von der neuen Einteilung sind auch die Menschenaffen betroffen. Bei den Gorillas sprachen sich die Experten für die Unterscheidung von 2 Arten mit insgesamt 4 Unterarten aus. Sie wurde in die Rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen. So werden die Gorillas dort aufgeführt:

Art
Östlicher Gorilla (Gorilla beringei) - bedroht
Unterarten
Berggorilla (Gorilla beringei beringei), Virungas und Bwindi - kritisch bedroht
Grauergorilla (Gorilla beringei graueri), Ostkongo - bedroht

Art
Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla) - bedroht (seit 2007: kritisch bedroht)
Unterarten
Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla) - bedroht (seit 2007: kritisch bedroht)
Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli), Grenze Nigeria/Kamerun - kritisch bedroht

Verbreitung der Gorillas

 
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