Gorilla-Journal 20, Juni 2000

Neues aus Ruanda

In Karisoke normalisierte sich 1999 die Arbeit. Nachdem sich die Situation in Nordwest-Ruanda stabilisiert hat und der Gorilla-Tourismus seit Juli 1999 wieder läuft, ist auch die Forschung im Aufschwung.
Die Karisoke-Tracker konnten ihre Arbeit vollständig wieder aufnehmen und besuchen jede Gorillagruppe täglich. Seit September dürfen auch die Wissenschaftler ins Gelände, allerdings nur mit Militär-Eskorten. Die Antiwilderer-Truppen patrouillieren seit September uneingeschränkt. Neben Büffel- und Antilopenfallen fanden sie erstmals Klippschlieferfallen, die in der Region nicht gebräuchlich sind. Man nimmt deshalb an, dass jetzt auch kongolesische Wilderer in das Gebiet eindringen.
In den 3 Forschungsgruppen blieb 1999 die Zahl der Tiere mit 87 konstant. 8 Kinder kamen auf die Welt, doch daneben verschwanden oder starben 8 Tiere: Simba (31 Jahre) und wahrscheinlich auch Pantsy (33 Jahre) starben in hohem Alter. Pantsy, 2 Jungtiere und 3 Kinder haben wir aus den Augen verloren, als die Gruppen nicht regelmäßig beobachtet werden konnte. Arusha, ein junges Männchen, starb in der Gegenwart der Tracker, die Todesursache wird noch untersucht.
Die Männer der Forschungsgruppen begegnen sich derzeit mit äußerster Aggressivität. Die 3 Silberrückenmänner der Pablo-Gruppe lieferten sich mit Einzelgängern und mit dem Leiter der Beetme-Gruppe heftige Kämpfe. Die Tiere zogen sich dabei schwere Verletzungen zu. Der 14-jährige Ndatwa starb an seinen infizierten Wunden und auch ein junger Silberrückenmann der Gruppe 13 dürfte an den Folgen eines Kampfes gestorben sein.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren verließen im September 20 Elefanten das Parkgebiet und trampelten die angrenzenden Felder nieder. Auch in Uganda richteten Elefanten und Büffel außerhalb des Parks Schäden an. Das Wiedereinsetzen der Wanderungen wird auf die Zerstörungen im Park zurückgeführt. Jüngst dokumentierten Luftaufnahmen das Ausmaß der Parkzerstörung. Im Rahmen eines neuen GIS-Projektes sollen die Auswirkungen der Unruhen auf das Ökosystem untersucht werden.
Diese Zerstörung war möglich, weil die Grenzmarkierung des Parks in den letzten Jahren entfernt und illegale Felder angelegt worden waren. Eine "Technische Kommission zum Schutz und Wiederaufbau des Nationalparks" hat die Grenzen wieder ermittelt und lässt sie erneut mit Markierungsbäumen bepflanzen. Noch eine andere Nachwirkung beschäftigte die Hilfsorganisationen im letzten Jahr: die enorme Menge an Müll, die die Flüchtlinge im Wald zurückgelassen haben. Menschen, die zwischen 1997 und 1998 im Wald Zuflucht gesucht hatten, wurden eingestellt, um den Müll wieder aus dem Wald zu räumen. Sie verbrannten dabei mehrere Tonnen Tabak, Weizen, Kohl usw. von illegal angelegten Feldern. Die Aufräum-Aktion wird sporadisch wiederholt werden, vor allem wenn man Latrinen entdeckt.

Liz Williamson, Jessica Cantlon und Chloé Wilson

Ruanda-Gorilla   Foto: Cyril Grüter
Gorilla in Ruanda

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