Gorilla-Journal 20, Juni 2000
Nothilfe-Aktion für Kahuzi-Biega
Der Krieg zwang mich im Sommer 1998, mein Studiengebiet in Lukuru zu
verlassen. Es war kaum möglich, die Kontakte dorthin aufrecht zu
erhalten. Ich wusste, dass der Krieg zu einer Entwaffnung der Wildhüter
in ganz Kongo geführt hatte. In die Schutzgebiete drangen Fremde
mit automatischen Waffen ein und die Großwildjagd nahm stark zu.
Mein Interesse konzentrierte sich zunächst auf die Bonobo-Gebiete
und den Salonga-Nationalpark, der direkt an der Frontlinie lag - bis ich
einen Bericht von Michel Hasson (Nouvelles Approches) über
die Probleme im Upemba-Nationalpark las. Ich nahm im Juli 1999 Kontakt
mit ihm auf. Aus bruchstückhaften Informationen setzte sich nach
und nach ein Bild der Vernichtung zusammen. Mit der faktischen Auflösung
der 7 kongolesischen Nationalparks zerstört der Krieg einen einmaligen
Reichtum an Pflanzen und Tieren. Es ist ein irreparabler Verlust - nicht
nur für den Kongo, sondern für die ganze Welt.
Wir mussten das dringend international bekannt machen. In unserer Not
wandten wir uns an Ian Redmond, den Vorsitzenden der Ape Alliance.
Er verbreitete zwei meiner Rundschreiben, was zu einer Welle von Hilfsangeboten
führte.
Sobald sich die Situation im Kongo etwas beruhigte, kehrten die Wildhüter
auf ihre Posten zurück, um zu retten, was zu retten war. Die erfahrenen
Männer riskierten ihr Leben und besaßen nicht einmal das Nötigste
zum Leben. Für uns galt es jetzt, kurzfristig ein Notprogramm auf
die Beine zu stellen, um die Wildhüter mit dem Notwendigsten zu unterstützen.
Möglich war dies nur durch die Hilfe von Einzelpersonen, des ICCN
und der GTZ (Guy Debonnet und Carlos Schuler) direkt vorort. Durch unser
ehrenamtliches Engagement können Spenden vollständig in Hilfsmittel
umgesetzt werden. Wir haben uns mit den im Kongo aktiven Organisationen
und Personen in Verbindung gesetzt, um Hilfsprojekte abzustimmen. Unser
Notprogramm stellt so z. B. eine wichtige Ergänzung für
das UNESCO-Projekt dar.
Durch unser begrenztes Budget waren wir gezwungen, uns zunächst auf
die drei bedrohtesten Parks zu konzentrieren. Oberste Priorität hatte
der Kahuzi-Biega-Park. Wir erhielten eine Liste und stellten die gewünschte
Bekleidung sowie Arbeits- und Büromaterial zusammen. Nouvelles
Approches finanzierte und organisierte den Transport. Am 15. Januar
verließ das erste Schiff mit Ausrüstungsmaterial für Kahuzi-Biega
den belgischen Hafen. Am 4. April folgte ein zweiter Container und am
22. April der dritte.
Durch die Kooperation mit den anderen Hilfsorganisationen erfuhren wir
von weiteren Bedürfnissen. Hier bewährte sich das aufgebaute
Helfer-Netzwerk, denn andere Organisationen sprangen unbürokratisch
ein. So übernahmen Nouvelles Approches und Wild Images
die Druckkosten für die 2. Ausgabe des Magazins Le Gorille
und die Born Free Foundation finanzierte ein Fahrzeug für
Kahuzi-Biega. Wir werden uns weiterhin für den Schutz der natürlichen
Reichtümer des Kongo einsetzen.
Jo Thompson
Foto: Carlos Schuler
Fahrzeug von der Born Free Foundation für
den Kahuzi-Biega-Park
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