Gorilla-Journal 19, Dezember 1999
Das Berggorilla-VeterinärzentrumDas Bergorilla-Veterinärzentrum wurde 1986 noch auf Anregung von Dian Fossey durch Ruth Morris Keesling gegründet. Sie beauftragte den renommierten Tierarzt James Foster mit der Errichtung des Veterinärzentrums in Kinigi, am Fuß der Virungavulkane. Das Zentrum wird durch die Morris Animal Foundation finanziert. Für die gut geschützten Berggorillas stellen Krankheiten die größte Bedrohung dar. Gemeinsam mit meinem Kollegen Antoine Mudakikwa bin ich für die Gesundheitsfürsorge der Berggorillas der Virungavulkane in Ruanda und Kongo zuständig. Zu unseren Aufgaben gehört die kontinuierliche Überwachung aller Gorillas. Wir arbeiten vor allem mit Beobachtung und nicht-invasiven Methoden, d. h. mit Kot- und Urinuntersuchungen. Nur bei lebensbedrohlichen oder durch Menschen eingeschleppten bzw. verursachten Erkrankungen und Verletzungen werden die Gorillas von uns unter Narkose medizinisch versorgt. Wegen des kleinen Bestands ist heute jedes Einzeltier für den Genpool wichtig. Durch den starken menschlichen Einfluss finden die Gorillas keine natürlichen Lebensbedingungen mehr vor, sodass man das medizinische Eingreifen für berechtigt hält. Bei 70% der betäubten Tiere wurden Schlingen entfernt oder Wunden behandelt, die durch Schlingen verursacht waren. Die Verletzungen können zum Tod führen, wenn auf die Entzündung eine Blutvergiftung folgt, oder zum Verlust des betroffenen Körperteils. Das Einschleppen von Krankheiten durch Menschen halten wir für die größte Bedrohung. Wir erfassen deshalb die wichtigsten Erkrankungen der Anwohner und bauen darauf ein Gesundheitsprogramm für die Parkmitarbeiter und Forscher auf, die engen Kontakt mit den Tieren haben. Wir überwachen darüber hinaus die Einhaltung der Besucherregularien und haben dazu beigetragen, dass sie im Februar 1999 verschärft wurden. Unser Training der Parkmitarbeiter ist auch in dieser Hinsicht wichtig. In Zukunft hoffen wir, die medizinische Versorgung der Östlichen Flachlandgorillas im Kongo zu übernehmen, worum uns die Parkleitung gebeten hat. Darüber hinaus gehören alle weiteren Aufgaben, die in einem solchen Zentrum anfallen, zu unseren Pflichten: etwa Buchführung, Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit den lokalen Parkbehörden und Organisationen im In- und Ausland, Entwicklung und Durchführung von Forschungsprogrammen, Arbeiten an einer biologischen Ressourcenbank oder die medizinische Versorgung anderer Wildtiere. Seit 1990 konnte jeder Gorilla, den das Parkpersonal als krank gemeldet hatte, gerettet werden. Kürzlich wurde Arusha, ein 6 Jahre altes Jungtier, neben dem Nachtnest tot aufgefunden. Als Todesursache vermuteten wir einen Darmverschluss, doch die Untersuchungen dauern noch an. Ute Eilenberger |