Gorilla-Journal 19, Dezember 1999

Nutzung von Kahuzi-Biega

Mbake Sivha führte im April 1999 mit Unterstützung der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe eine Studie zur Nutzung der Ressourcen des Kahuzi-Biega-Nationalparks durch, deren Ergebnisse uns jetzt vorliegen. Der Kahuzi-Biega-Nationalpark liegt in einem der dichtestbesiedelten Gebiete Afrikas. Der Druck der Bevölkerung auf die Ressourcen des Parks hat sich durch die Kriege seit 1996 noch weiter verstärkt. Hinzu kommt, dass die Pygmäen, die ehemals im Parkgebiet gelebt haben, nach wie vor stark von den Ressourcen des Parks abhängig sind. Im April 1999 führten wir eine Studie durch, deren Ziel es war, Strategien zum Schutz der Ressourcen des Kahuzi-Biega-Nationalparks zu erarbeiten. Dabei war es uns wichtig, die Bewohner des Parkumfelds einzubeziehen - Frauen bzw. Pygmäen wurden entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung beteiligt. Für die Untersuchung wählten wir 25 Dörfer entlang der Straße Kajeje-Lemera aus. Insgesamt 213 Personen, 116 Männer und 97 Frauen, wurden mit Hilfe eines Fragebogens interviewt. Von den befragten Personen waren 161 Bantu und 52 Pygmäen. Aufgrund der Befragung stellten wir eine Liste mit 249 wild wachsenden Pflanzenarten zusammen, die von der Bevölkerung genutzt werden. 92,6% dieser Pflanzen stammen direkt aus den verschiedenen Biotopen des Kahuzi-Biega-Nationalparks, besonders aus dem Wald und von Lichtungen, nur ein kleiner Teil wird außerhalb des Parks gesammelt. Die Pflanzen werden hauptsächlich zu medizinischen Zwecken, als Baumaterial, zur Ernährung und als Brennmaterial genutzt. Außerdem stellt die Bevölkerung aus den Pflanzen Bretter, Holzkohle und kunsthandwerkliche Gegenstände her, die verkauft werden. Verwendung fanden vor allem die Blätter der Pflanzen, zu einem geringeren Teil auch Zweige, Früchte, Rinden und Wurzeln. Durch die starke Nutzung sind manche Pflanzen im Park bereits sehr selten geworden und in ihrem Bestand gefährdet. Dazu gehören Ficus-Arten, deren Holz sehr begehrt ist, sowie Bambus, der im Park geschnitten und weiterverkauft wird. Ein weiteres großes Problem stellt die Jagd auf die Wildtiere des Parks dar. Die Nachfrage nach Wildfleisch in den größeren Städten und das immer noch sehr starke Interesse an Elfenbein und Jagdtrophäen auf dem Weltmarkt erhöhen den Druck auf die Parkressourcen. Um den Fortbestand des Kahuzi-Biega-Nationalparks nachhaltig zu sichern, empfiehlt die interviewte Bevölkerung folgende Strategien zum Schutz der Parkressourcen:

  • Beteiligung der lokalen Bevölkerung an allen Aktivitäten und Schaffung von Anreizen zum Schutz des Nationalparks,
  • Durchführung einer Studie zur Schaffung eines Projekts, mit dem die Lebensbedingungen der Bevölkerung im Parkumfeld verbessert werden, ohne dass sie auf seine Ressourcen zurückgreifen muss,
  • Bestimmung aller Pflanzen- und Tierarten des Parks, die von der Bevölkerung genutzt werden,
  • Schaffung einer Schutzzone um den Park durch Aufforstung,
  • Anbau der medizinisch verwendeten Pflanzen in gemeinschaftlich genutzten Gärten,
  • Durchführung kleinerer Projekte zur Einführung von Viehzucht,
  • Förderung der Integration der Pygmäen in die Dorfgemeinschaften,
  • Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen im Park.

Nur wenn es gelingt, den Schutz des Nationalparks mit den Interessen der Bevölkerung in seinem Umfeld in Einklang zu bringen, können die Ressourcen langfristig erhalten werden.

Mbake Sivha

Mbake Sivha studieerte Biologie an der Universität Kisangani, Zaire, und arbeitete im IZCN/GTZ-Schutzprojekt für den Kahuzi-Biega-Nationalpark. Sie spezialisierte sich an der Universität Würzburg auf Tier-Ökologie, Tropenbiologie und Öffentlichkeitsarbeit für Umweltbewusstsein. Von 1994 bis 1999 war sie im IZCN/GTZ-Projekt mit Öffentlichkeitsarbeit und Primatenforschung beschäftigt. Nach einigen Jahren beim IGCP begann sie 2006 für FFI zu arbeiten.

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