Gorilla-Journal 19, Dezember 1999

Wilderei in Kahuzi-Biega

Die Wilderei im Kahuzi-Biega-Nationalpark erhöhte sich in den Monaten April bis Juli 1999 beträchtlich. Dabei konzentrierten sich die Jäger auf Großsäuger, besonders Elefanten und Gorillas. Wir haben in den Dörfern recherchiert und die festgenommenen Wilderer sowie die betroffenen lokalen Chefs befragt. Die Elefantenjäger bilden ein komplexes Netzwerk. Zwei von ihnen wurden festgenommen und verhört. Chomère Bugondo ist schon seit über 20 Jahren aktiv und sagt, dass er keine Tätigkeit außer der Jagd beherrscht. Als er von ruandischen Flüchtlingen ein Gewehr erhielt, begab sich seine Gruppe im Auftrag eines Herrn Tshimbombo, der in Bukavu wohnt, auf Elefantenjagd. Georges Chamoka erhielt seine Aufträge aus Bukavu und dem Ausland. Noch 4 weitere Gruppen von Elefantenjägern sind bekannt. Wie viele Tiere sie getötet haben, wissen wir nicht. Das Elfenbein und das Fleisch werden oft an unterschiedliche Empfänger geliefert. Während Elfenbein exportiert wird, kommt das Fleisch nach Bukavu. Chomères Team versorgt die lokalen Märkte. Gorillawilderer jagen mit Hunden und Gewehren. Im April wurde ein Gorilla von der Wilderergruppe Chamoka erschossen. Herr Kalyagizi und seine Helfer töteten im Juni 6 Gorillas, die wahrscheinlich zur Mugoli-Familie gehörten. Die Gruppe von Mulinga, dem Chef des Dorfs Kakenge, hat am 3. Juli einen weiteren jungen Gorilla getötet, vermutlich ebenfalls aus der Mugoli-Familie. Bei ihrer Festnahme kochten die Jäger gerade das Fleisch dieses Tiers. Insgesamt sind 3 Gruppen von Gorillawilderern bekannt, die seit April 20 Tiere umgebracht haben. Das Fleisch wird vor allem von den Jägern und ihren Familien verzehrt. Bisher konnten wir nicht eindeutig klären, ob Gorillas für die Jäger nur eine Fleischquelle sind oder ob es einen bestimmten Grund gibt, dass sie sich auf diese Tiere spezialisiert haben. Innerhalb weniger Monate wurden 17 Elefanten und 20 Gorillas getötet. Um die Wilderei einzudämmen, sind dringend wirksame Maßnahmen nötig wie - häufigere gemischte Patrouillen weit in den Park, - Verstärkung der Nachforschungen, damit alle Verdächtigen festgenommen werden können, - Zerschlagung der Wilderergruppen durch die Parkleitung in Zusammenarbeit mit den lokalen Chefs und anderen zuständigen Behörden, - Aktionen bei den Pygmäen, die von den Wilderern als Fährtensucher eingesetzt werden, - Einbeziehung der Gruppe zur Untersuchung von Konflikten zwischen Menschen und Elefanten, - Einsammeln von Elefantenschädeln im Park, - Kartierung der betroffenen Gebiete mihilfe des Globalen Positionierungssystems (GPS).

Chantal Shalukoma

Chantal Shalukoma
Chantal Shalukoma mit dem Wilderer Chomère

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