 |
1997 war ein sehr schwieriges Jahr für die Menschen und die Tierwelt
der Virungavulkane. Das Personal der Nationalparks musste unter Bedingungen
von Gewalt und Schrecken arbeiten.
Das IGCP (International Gorilla Conservation Programme) initiierte und
betreute ein Programm für das Monitoring der Berggorillas und die
Ökologie am Mikeno (Virunga-Nationalpark), für das mehrere ICCN-Mitarbeiter
ausgebildet wurden. Sie beobachteten, beschrieben und fotografierten jeden
Gorilla; die Merkmale wurden in einer Art "Personalausweis" festgehalten.
So erhielt jedes Tier (in den habituierten Gruppen) einen Namen. So kann
die Geschichte der ex-Ndungutse-Gruppe während des Kriegs und der
ganzen Wirren verfolgt werden. Der Silberrückenmann und einige Mitglieder
dieser Gruppe, die 1996 25 Tiere umfasste, wurden im Mai 1997 getötet.
Was vorher geschah
Im Gorilla-Journal 13 vom Dezember 1996 über die Gorillas des Mikeno
wurden die Gefahren aufgezählt, die das Überleben der Tiere bedrohen:
Wilderei, Versuche des Handels mit Jungtieren, Nachlassen der Unterstützung
durch Naturschutzorganisationen, mangelnde Zusammenarbeit zwischen ICCN
(Institut Congolais pour la Conservation de la Nature) und lokaler Bevölkerung,
fehlende Einnahmen aus dem Tourismus, Kriegsgefahr und die Anwesenheit
der ruandischen Flüchtlinge.
Im Oktober 1996 brach ein Krieg in der Region aus, und im Gebiet der Gorillas
wurden mehrere militärische Operationen durchgeführt, mit denen
die ruandischen Dissidenten vertrieben werden sollten. In diesem Gebiet
findet man noch immer bewaffnete Gruppen, deshalb ist es weiterhin unsicher.
Die erste habituierte Gorillafamilie in Jomba wurde im Dezember 1996 wiedergefunden.
Ab Februar 1997 gab es gemischte Patrouillen von Wildhütern und Militärs,
da die neuen Machthaber des Kongo den Naturschutz als sehr wichtig erachteten.
Dank dieser Patrouillen wurden alle Gruppen seit Anfang Mai 1997 mindestens
einmal im Monat gesichtet - außer der Rafiki-Gruppe, die bisher
nicht zurückgekehrt ist. Die Anzahl und Zusammensetzung der habituierten
Gorillagruppen blieb ähnlich wie im September 1996; anscheinend hatte
der Krieg in dieser Hinsicht keine negativen Folgen.
Kleine Geschichte der ex-Ndungutse-Gruppe
Am 18. Mai 1997 wurde die Gorillagruppe von Militärs beschossen.
Der Silberrückenmann Ndungutse wurde getötet, nachdem er einen
Soldaten gebissen hatte; dieser eröffnete das Feuer auf die Gruppe
und tötete drei weitere Tiere. Diesem Ereignis folgten für die
Mitglieder noch einige dramatische Veränderungen. Zunächst verließen
sie ihr Streifgebiet für mehrere Monate.
Es gab verschiedene Spekulationen, welche Gorillas bei dem Gefecht getötet
worden waren; zunächst dachte man an die ex-Luwawa-Gruppe, und bei
der Anzahl der toten Gorillas gingen die Vermutungen von 4 bis mehr als
10 Tiere. Manche äußerten, dass sich die Gruppe aufgeteilt
haben könnte oder dass die Mitglieder in andere Gruppen eingegliedert
worden sein könnten. Wegen der sehr heftigen militärischen Aktivitäten
konnten die Wildhüter nicht weit in den Wald hineingehen.
Im Oktober 1997 wurden erstmals wieder einige Mitglieder der Familie beobachtet,
und im November fand man sie in zwei Gruppen, die von Schwarzrückenmännern
geleitet wurden. Die erste, geführt von Buhanga, bestand aus 9 Tieren
und die zweite, unter der Leitung von Karateka, aus 4 Tieren. Das ergab
insgesamt 13 Gorillas von den 25 Gruppenmitgliedern vor dem Krieg.
Die beiden Gruppen zeigten etwa die gleichen Gewohnheiten und durchstreiften
das gleiche Gebiet. Sie hatten mehrere schwere Auseinandersetzungen mit
Transfers einzelner Mitglieder. Dazu gehörten:
- Mawazo, weiblich, geboren 1990: Sie war im Oktober 1997 in der Buhanga-Gruppe.
Im November 1997 wechselte sie zu Karateka, direkt nach einer Auseinandersetzung.
Am 10. Januar 1998, wieder nach einer Auseinandersetzung, folgte sie
Buhanga.
- Mukata, juvenil, wechselte zwischen November 1997 und Februar 1998
von Buhanga zu Karateka, dann wieder zu Buhanga und schließlich
zu Karateka.
- Bukima, juvenil, wechselte im November 1997 und im Februar 1998 von
Buhanga zu Karateka.
Am 23. Februar 1998 beendete ein wilder Silberrückenmann namens
Munyaga die Existenz der beiden Gruppen. Die Schwarzrückenmänner
wurden zu Einzelgängern und sind seither in ihrem ursprünglichen
Streifgebiet nicht mehr gesehen worden.
Im Augenblick (16. August 1998) kennen wir 6 Gorillagruppen, die wir regelmäßig
besuchen. Die Nyakagezi-Familie wurde unter dem Namen Faida in Kongo habituiert,
hält sich aber jetzt nur noch in Uganda auf. Die Rafiki-Gruppe kann
man nicht sehen, weil sie in einer sehr unsicheren Zone umherstreift.
Zwei wilde Gorillamänner, Mapua und Ruzirabwoba, besuchen regelmäßig
das Gebiet von Jomba und suchen Begegnungen miteinander und mit der Lulengo-Familie.
Seit Mai 1998 verzeichneten wir 4 Geburten: 2 bei der Kabirizi-Gruppe
im April, 1 bei der Kuritonda-Gruppe im Mai und 1 bei der Humba-Gruppe
am 12. Juli. Die Rugendo-Familie spaltete sich in zwei Teile; Rugendo
behielt 8 Mitglieder und 8 weitere gesellten sich zu Humba, Rugendos Sohn.
Claude Sikubwabo Kiyengo, Bararuha Ntayomba, Ndakazi Lola
Benjamin und Vital Katembo Mushengezi
Die Mikeno-Gorillas
|
März |
Juni |
Juli |
|
| Lulengo-Gruppe |
11 |
11 |
11 |
|
| Kwitonda-Gruppe |
10 |
11 |
12 |
1) |
| Rugendo-Gruppe |
18 |
18 |
9 |
|
| Humba-Gruppe |
- |
- |
10 |
|
| Munyaga-Gruppe |
12 |
12 |
11 |
2) |
| Kabirizi-Gruppe |
11 |
14 |
14 |
|
| Einzelne Männer |
4 |
4 |
5 |
3) |
| Insgesamt |
66 |
70 |
72 |
|
1) Ein Tier von Nyakagezi; 2) Ein Tier zu Kabirizi; 3)
Ein Schwarzrückenmann von Kabirizi
Weitere Entwicklung der Gorillazahlen bis 2002
Claude Sikubwabo Kiyengo studierte Biologie an
der Universität Kisangani, Zaire. 1987 begann er als wissenschaftlicher
Assistent im Ituri-Projekt von John und Terese Hart. Von 1989-1992 untersuchte
er die Verbreitung der Gorillas im Maiko-Nationalpark, und 1994 nahm er
an der Gorilla-Bestandsaufnahme im Kahuzi-Biega-Nationalpark teil. Ab
1995 arbeitete er als Forschungs-Attaché für die Nationalparkbehörde
IZCN/ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature)
in Goma, danach für das Peace Parks Project, ebenfalls in
Goma, für die IUCN und heute wieder für das ICCN.
|