Waldvernichtung im Virunga-Nationalpark


19. Mai 2004: Seit diesem Tag wird am Mikeno großflächig der Nationalpark vernichtet. Durchgeführt wird die Aktion von Ruandern, die von der ruandischen Armee geschützt werden. Sie kommen mit ihren Viehherden über die Grenze, ohne dass sie jemand aufhält. Der wertvolle Bergwald bei Kibumba verschwindet mit rasender Geschwindigkeit. Bäume werden gefällt und das Holz wird, Felder und Viehweiden werden angelegt. Schätzungsweise 6000 Ruander halten sich in der Region auf. Offiziell wird die Aktion damit begründet, dass sich Interahamwe-Rebellen in den dichten Wäldern anschleichen und Ruanda bedrohen, doch nach anderen Angaben stecken mächtige ruandische Geschäftsleute dahinter, die - in Zusammenarbeit mit lokalen Machthabern im Kongo - Land innerhalb des Nationalparks für landwirtschaftliche Nutzung verkauft haben.
10. Juni 2004: Bereits 15 km² Regenwaldfläche sind abgeholzt. Die Gorillas in Bukima können aus Sicherheitsgründen nicht mehr besucht werden. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, wird in wenigen Monaten der gesamte Wald verschwunden sein. Die Nationalparkbehörde ICCN kann die Aktion nicht verhindern, da sie unter dem Schutz bewaffneter Soldaten stattfindet. Ruanda hat die Grenze zu Kongo inzwischen geschlossen.
15. Juni 2004: Die Leute fangen an, auf den abgeholzten Flächen Kohl und Kartoffeln anzupflanzen.

Da das ruandische Militär die Aktion durchführte, konnten die Wildhüter der kongolesischen Nationalparkbehörde ICCN wenig gegen die Invasion ausrichten. Deshalb war von Anfang an klar, dass auf höchster politischer Ebene agiert werden musste. Das International Gorilla Conservation Programme (IGCP), verschiedene Naturschutzorganisationen und Personen mit entsprechenden Verbindungen setzten sich bei Regierungen und den UN für Protestaktionen gegen die ruandische Aggression ein - wir hoffen, dass diese Bemühungen auf lange Sicht Wirkung zeigen.

Stand am 29. Juni 2004: Am 23. Juni beenden die ruandischen Militärs die Abholzung und fordern die Leute auf, die gerade gepflanzten Feldfrüchte wieder auszureißen. Am nächsten Tag gehen die Soldaten gegen die Personen vor, die sich diesem Befehl nicht fügen; zwei Menschen werden dabei auf den Feldern getötet. Das Vieh wird ebenfalls weggetrieben, aber die Soldaten sind noch vor Ort.
6. Juli: Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hat angefangen, die Parkgrenze mit einer Steinmauer zu markieren, die von IGCP, der EU und der ZGF finanziert wird. Die zuvor errichtete Mauer war von den Eindringlingen zerstört worden.
10. Juli: Die Grenze zwischen Ruanda und Kongo ist inzwischen wieder geöffnet.
15. Juli: Mehr als 1 km der Mauer ist schon fertig und es wird geschätzt, dass für die 20 km Gesamtlänge 20 Wochen benötigt werden.
19. Juli: Die Situation im Mikeno-Sektor ist weiterhin ruhig.
Bei Jomba brach ein Waldbrand aus, aber die Bevölkerung wurde mobilisiert und konnte es löschen. Trotzdem ist ein kleines Waldstück (600 m²) abgebrannt.

Auch aus anderen Teilen des Virunga-Nationalparks haben uns schlechte Nachrichten erreicht. Im Juni/Juli 2004 starben 3 Menschen bei Angriffen - ein Wildhüter in Ishasha, einer in Lulimbi und einer in Kanyabayonga. Am 6. September wurde bei einem Angriff auf Kabaraza ein Wildhüter getötet und einer verletzt.

Nach Informationen des ICCN, IGCP und ZGF - hier der komplette IGCP-Bericht (915 KB) , 16. Juni 2004

Betroffene Region
Von der Zerstörung betroffener Bereich (aus dem IGCP-Bericht)
 

Virunga-Nationalpark

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