Update nach dem Massaker an den Gorillas im Mikeno-Gebiet bis zum 30. Juni 2008

Auszüge (zusammengefasst) aus dem Ranger-Tagebuch
Übersetzung: Ingrid Bröcker

Ereignisse nach dem 16. August 2007: Trotz der chaotischen Kriegszustände waren die Ranger nicht untätig und haben wann immer es möglich war die Gorillas gesucht.
Sie fanden die Kabirizi-Familie, 31 Familienmitglieder, davon 7 Babys. Gleichzeitig konnten sie per Foto dokumentieren, wie die Hütten und Felder der Einheimischen immer näher an die Parkgrenze heranrücken. Die Folgen sind, dass auch Viehherden von ihren Hütern immer wieder illegal in den Park geführt werden und des Platzes verwiesen werden müssen.
Außerdem haben die Ranger die 9-köpfige Humba-Familie aufgespürt und die Munyaga-Familie mit einem neugeborenen Jungen. Dieser wurde jedoch (vermutlich) bei Silberrücken-Kämpfen am 3. September getötet. Wegen sehr vieler Silberrücken-Junggesellen ist viel Unruhe in den Familien, denn es finden Kämpfe um die Weibchen statt.

Dann geriet das Gebiet in die Hand der Rebellen. Sie lieferten sich Gefechte mit anderen Einheiten und den Militärs. Am 31. August griffen die Rebellen einen Posten an, erschossen einen Ranger und verletzten den anderen schwer.
Im Zusammenhang mit Übergriffen auf die Ranger dürfte auch ein zusätzliches Problem im südlichen Virunga-Park stehen - die illegale Köhlerei. Diese ist in Ruanda verboten, so dass die Leute von dort über die Grenze in den Park kommen, um Holzkohle zu produzieren. Teilweise ist die Holzkohle-Produktion auch organisiert (Militärs und/oder Rebellen profitieren davon), was die Bestrafung oder Ausweisung der Köhler durch die Ranger nicht einfacher macht.

Wegen der nicht endenden Kämpfe war es zeitweise unmöglich, in die Gorillagebiete zurückzukehren, die stärksten Gefechte bis dahin gab es am 7. September, mit Bomben zwischen Bukima und Bikenge.
Trotzdem konnten am 8. September die Ranger die Rugendo-Familie ausfindig machen, die aus dem Gorilla Sektor in die Felder der Bauern gewandert war, wo sie sich durch den Mundraub nicht gerade beliebt machen. Die Ranger wurden von bewaffneten Männern angegriffen und mussten zurückkehren. Obwohl sich die Kämpfe etwas beruhigt hatten, konnten sie bis zum 12. September das Gebiet nicht betreten. Ein Waffenstillstand soll nun dazu führen, dass alle Rebellen und Milizen in die kongolesische Armee integriert werden, um endlich Frieden im Land zu bekommen.

Die am 11.September nach Bukima und Bikenge ausgesandten Ranger kehrten unverrichteter Dinge zurück, weil die Armee sie am Betreten des Gorilla-Sektors gehindert hatte.
Aber am 13. September konnten Ranger von Jomba mit der Suche nach der Mapuwa-Gruppe beginnen. Von den Rebellen wurden ihnen 2 Gewehre und ein GPS zurückgegeben, alles andere, was in Jomba gestohlen wurde, fehlt jedoch noch (Radios, 15 weitere Waffen, Mobiltelefone usw.). Es wird angenommen, dass General Laurent Nkunda, der die Rebellen kontrolliert und im Januar wegen der Tötung von 2 Silberrücken-Einzelgängern verantwortlich gemacht worden war, den Zutritt gewährt, um nicht erneut ins Gerede zu kommen.

Am 14.9. endlich gab es von den Rangern die Bestätigung, dass die 5 Mitglieder der Rugendo-Familie tatsächlich bei Bikenge außerhalb des Parks leben. Ebenso konnten die 12 Mitglieder der Mapuwa-Gruppe in der Nähe des Postens von Jomba augenscheinlich gesund identifiziert werden.
Sie wollen nun der Mapuwa-Familie täglich folgen. Es wird vermutet, dass die Rebellen den Rangern den Zutritt gewähren, weil sie Touristen aus Ruanda hereinbringen wollen, nachdem sie gehört haben, dass diese 500 Dollar dafür bezahlen. Es ist möglich, dass die Gorillas dadurch geschützt werden, dass die Rebellen sie als Einnahmequelle betrachten.

Von 73 habituierten Gorillas sind 17 gefunden und am 16.9. tauchte zusätzlich ein Silberrücken auf, der seit Januar vermisst war. Es sind keine weiteren Familien im Mikeno-Sektor, und man macht sich Sorgen um die Rugendo-Familie, die keinen Silberrücken hat, aber auch um die Munyaga-Familie, die 3 Silberrücken hat, die sich ständig streiten, und um die Familien von Humba und Kabirizi, von denen man nichts weiß, weil die Armee die Ranger immer noch nicht das Gebiet betreten lässt.
So heißt es weiter warten und hoffen.

Am 18. war ein Team von Al Jazeera TV da und führte Interviews über die derzeitige Ohnmacht der Ranger. Man zeigte ihnen die Überreste von Machibiri, dem fünften Gorilla, der im Juli ermordet wurde, sowie die Gräber von Rugendo und den Weibchen als Teil einer Kampagne, mit der die Welt aufmerksam gemacht werden soll.

Am 19. September haben die Rebellen offensichtlich ihr Hauptquartier in Jomba aufgeschlagen. Zum Posten nach Bikenge haben sie Vieh getrieben, was bedeuten kann, dass sie vorhaben, sich dort länger einzurichten.
Die Armee hingegen kontrolliert Bukima. Wenn sich Ranger dort sehen lassen, werden sie ausgeraubt. Außerdem haben die schlechtbezahlten Soldaten die Felder der Ranger geplündert und zerstört.
Die Rebellen sollen am 13. September 10 Touristen zur Mapuwa-Familie gebracht haben. Die Regeln sagen jedoch, dass zu einer 12-köpfigen Gorilla-Familie maximal 8 Touristen gebracht werden dürfen. Sie kamen von Bunagana an der Grenze von Uganda, nördlich des Gorilla-Sektors und haben vermutlich 500 US-Dollar an die Rebellen bezahlt. Diese Art unkontrollierter Besuche ist absolut unakzeptabel.

Vom 20. bis 24. September gab es keine Neuigkeiten; Familiengeschichten wurden in den Blog gestellt mit sehenswerten Fotos und Videoclips. Die Gorillas im Mikeno-Sektor konnten nunmehr schon seit 3 Wochen nicht mehr von Rangern besucht werden.
Am 24. wurden 2 Männer verhaftet, die verdächtig sind, einem Ring von Gorillahändlern anzugehören. Es waren 2 Gorillas zum Kauf angeboten worden für je 8000 US-Dollar.
Bei weiteren Ermittlungen - um den Ring zerschlagen zu können - wurde ein schätzungsweise seit einer Woche toter weiblicher Gorilla, ca. 3-4 Jahre alt, gefunden. Das Jungtier wurde bestattet bei den Mitgliedern der Rugendo-Familie in Rumangabo. Es handelt sich um einen Bergorilla und es ist noch unklar, ob aus einer wilden oder einer habituierten Gruppe. Um dies festzustellen, ist es unbedingt erforderlich, dass die Wildhüter den Mikeno-Sektor betreten können. Es ist der 10. tote Gorilla in diesem Jahr, und es besteht Grund zu der Annahme, dass der Händlerring einen weiteren Gorilla zum Verkaufen besitzt.
Ein paar Ranger fuhren auf der Suche nach Schuldigen zum Bukima-Posten, was für sie gefahrlos überhaupt nur möglich war in Begleitung der UN-Friedenstruppen (MONUC). Am Posten hausen ca. 40 Militärs mit Familien. Sie haben die Decken aus den beiden Gebäuden gebrochen, das Inventar zerstört sowie die Feldfrüchte der dort vorher lebenden Ranger vernichtet, ausgerissen und verstreut.

Am 27. waren Journalisten von BBC Radio und Reuters TV in Rumangabo, um das Ausland über die Vorgänge in der Region zu unterrichten.
Derweil müssen die Ranger Planungen für 2008 machen, auch wenn es den Anschein hat, als ob sich im Kongo überhaupt nichts mehr planen lässt.

30. Paulin Ngobobo, der ehemalige Chef des Gorilla-Sektors, hat sich aus Nairobi von einem Management-Training gemeldet und lässt allen Unterstützern und Spendern für die Hilfe danken. Er gibt nochmals seiner Besorgnis Ausdruck, dass die Gorillas im Virunga-Park, die derzeit nicht von Rangern beobachtet werden können, zwischen die Rebellen und das Militär geraten könnten.
Eine positive Nachricht ist immerhin, dass die Gorilla-Familien im Bereich des Postens Jomba (unter Kontrolle der Rebellen) bisher täglich besucht werden können, und dass sie offensichtlich gesund und wohlauf sind.

Am 2. Oktober wurden Fotos von 2 Gorillawaisen in den Blog gestellt, die in Goma gut versorgt sind. Es folgte am 3. noch ein Video von den beiden.
Am 4.10. gab es Probleme im Mikeno-Sektor, weil die Rebellen Wildhüter als Kämpfer rekrutieren wollten. Diese flohen, einige kamen in Rumangabo an, andere (7) flohen über Ishasha nach Uganda und konnten später auch zu den anderen stoßen, sodass es insgesamt 34 Ranger zusätzlich in Rumangabo gab. Mit der Ausgabe von Essensrationen wurde ihnen geholfen. Dank an alle Spender, die das ermöglichten. Die Gorillas im Mikeno-Sektor sind wieder ohne Schutz.
Am 6. Oktober kamen 10 Ferngläser und 2 Teleskope an, gespendet von Matto Barfuss und Frau, und man hoffte, sie bald einsetzen zu können. Währenddessen gingen die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen täglich weiter, es gab Tote auf beiden Seiten, die meisten auf der Seite der Rebellen.
Am 7. Oktober konnten die Rebellen den gesamten Gorilla-Sektor besetzen, sodass nun sämtliche Berggorillas des Kongo schutzlos sind. Da die Gefahr bestand, dass Rumangabo von Goma abgeschnitten wird, beschloss man, sämtliches Gerät - Ferngläser, GPS usw. - nach Goma zu transportieren und in Sicherheit zu bringen.
Die andauernden Kämpfe waren in Rumangabo zu hören und es bestand die Gefahr, dass die Familien der Ranger evakuiert werden mussten.
Die Rebellen konnten ihre Stellung um Bukima behaupten, erst am 12. Oktober gewann die Armee wieder die Oberhand. Die Front war bei Bikenge. Am Tag zuvor, am 11.10., war ein Wildhüter tödlich verunglückt, als er vom Wagen einer Patrouille fiel, die einen Holzkohle-Lkw stoppen wollte. Seine Witwe soll monatlich 30 Dollar bekommen, aus den Spenden, die geflossen sind.
Am 15. Oktober gab es einen Überraschungsbesuch in Goma von Präsident Kabila, offenbar war auch der Präsident von Burundi zugegen, um Friedensverhandlungen mit den Rebellen zu führen.
In Ermangelung von Neuigkeiten über den Fortgang der Verhandlungen von Armee und Rebellen schildert Innocent im Blog seinen Werdegang als Wildhüter - als Junge hatte er den Vater bewundert, und mit dem Wunsch, in seine Fußstapfen zu treten, hat er als Fahrer angefangen, wurde dann als Wildhüter eingesetzt und hat sich weiter hochgearbeitet. Außerdem erzählt er im Blog die Geschichte der Silberrücken-Brüder Buhange und Karateka, die sich ihre Frauen erst gegenseitig "abgejagt" und dann an Kabirizi verloren haben, nach welchem nun die Gruppe benannt ist. Seitdem leben die beiden als Einzelgänger. Für immer?
Diddy beschreibt die Kommunikation von Gorillas mit insgesamt 16 verschiedenen Lauten, die der Silberrücken benutzt, um Informationen wie Warnungen, Befehle, Wünsche u. a. weiterzugeben.

Seit dem 20. Oktober wird wieder geschossen. Möglich, dass die Rebellen die Zeit genutzt haben, Unterstützung zu finden. Jedenfalls wurden 2 Rangerfamilien nach Goma evakuiert und Ausrüstung auf NGOs in Goma verteilt, wo man auf Hilfe durch die UN-Friedensmission setzt. Die andauernden Kämpfe haben zu immer mehr Unsicherheit geführt: Viele bewaffnete Gruppen in und um den Park, zunehmendes Banditentum, von den Mai-Mai und FDLR kontrollierte und begünstigte Köhlerei und Wilderei usw.
Das Machtverhältnis zwischen Rebellen und Militär wechselt immer wieder. Die Rebellen kontrollieren offensichtlich den Korridor zwischen den Teilen des Parks, dem kleineren mit den Berggorillas und dem größeren ohne Gorillas (s. Karte vom 6. Oktober). Die Hauptverbindungsstraße zwischen Goma und Rumangabo ist so unsicher, dass humanitäre Organisationen einen Besuch der Flüchtlinge nur in Begleitung von UN-Eskorten riskieren.
Die Gorillas sind inzwischen seit 2 Monaten komplett ungeschützt.

Innocent stellt seinen Lieblingsgorilla vor, den Schwarzrücken Kadogo aus der Munyaga-Familie (Fotos!). Dieser wurde kahl geboren und dies hatte Innocent noch nie erlebt, auch nicht, dass ein Gorilla eine Glatze bekam. Kadogo legt ein besonderes Verhalten an den Tag: Immer wenn er Innocent sieht, setzt er sich hin, verschränkt die Arme, legt sein Kinn auf die gefalteten Hände und beobachtet ihn; keiner weiß, warum er das tut.

Zu den Bedrohungen der Gorillas durch den Krieg erklärt Innocent:
Die Gorillas können zwischen die kämpfenden Parteien geraten. Wenn keine Kontrollen gemacht werden können, besteht grosse Gefahr, Tiere in Wilderer-Schlingen zu verlieren, weil keiner sie rechtzeitig daraus befreien kann. Es gibt keinerlei Informationen über Geburten oder Todesfälle, über Silberrückenkämpfe und die Auswirkung auf die Familien. Bei nur noch 700 Berggorillas weltweit wären diese Infos aber sehr wichtig.

Nach wie vor ist unklar, woher das tote Gorillamädchen stammte, ob aus einer wilden oder einer habituierten Gruppe, und welches Schicksal der andere bei den illegalen Tierhändlern vermutete Gorilla erfuhr.

Am 28. kommt die schlimme Nachricht, dass ein Ranger getötet und einer verletzt wurde. Sie waren in einem von den Mai-Mai kontrollierten Gebiet auf Patrouille, und die Rebellen hatten ihnen aufgelauert. Die Mai-Mai sind kongolesische Rebellen, die eigentlich ausländische Invasoren von den Grenzen fernhalten wollen. Sie waren verantwortlich für die Hippo-Schlachterei am Edward-See im vergangenen Jahr und für die Attacken im Virunga-Park im Mai. (Das Fleisch eines Flusspferds bringt ca. 300 US-Dollar und die Eckzähne sind Elfenbein.)

Am 30. Oktober will ein Filmteam in Goma die Gesamtsituation von Rangern und Gorillas zwischen den Kämpfen festhalten, die Kampfhandlungen machen jedoch eine Fahrt nach Rumangabo unmöglich. Es wird an das Massaker an der Rugendo-Familie erinnert und Fotos aller ursprünglichen Mitglieder aneinandergereiht. Von 12 Mitgliedern der Familie leben noch 5 im Wald, davon nur ein Weibchen in nicht mehr gebärfähigem Alter (ein Waisenkind lebt in Goma und 6 Gorillas waren sinnlos ermordet worden). Die Gedanken der Ranger kreisen unablässig um die Überlebenden - wie es ihnen gehen mag, während die Kämpfe in der Nähe des Postens Bukima andauern, mitten im Gorilla-Sektor.

Am 6. November stellt Diddy mangels Neuigkeiten seinen Lieblingsgorilla Mukunda vor, der aus der Humba-Gruppe 2005 in die Rugendo-Familie wechselte und seit dem Massaker im Juli deren Chef ist (als Schwarzrücken!) Er war immer schon ein außergewöhnlich guter Beschützer der Familienmitglieder. Und man hofft, dass er weiterhin trotz des Krieges dazu in der Lage ist, denn die Verzweiflung der Ranger, die ihre Gorillas nicht beschützen können, wächst.
Die humanitäre Krise in der Bevölkerung wächst ebenfalls und mehr und mehr fliehen vor den Kämpfen. Die meisten Ranger sind in Rumangabo geblieben und leben unter Zelten.

Am 15. November kommt die Neuigkeit, dass ein Ranger die Möglichkeit hatte, von Uganda aus in den Sektor zu gelangen. Wie er berichtet, hat er die Humba- und die Kabirizi-Familie gesehen, offensichtlich vollzählig und wohlauf. Ein kleiner Hoffnungsschimmer nach so vielen Wochen der Ungewissheit!?
Und immer wieder folgt ein herzliches dankeschön an alle Spender.

Verstärkt fördern die Ranger eine Bewusstseinsbildung bei den Dorfgemeinschaften und Kindern in der Umgebung. Unterstützt durch Filmmaterial und Erzählungen wird die Bedeutung der Berggorillas herausgestellt, offensichtlich mit Erfolg.

Am 21. November werden ca. 30 Leute verhaftet, die im Park Holzkohle gebrannt haben.

Am 3. Dezember gibt es Berichte von massiven Kämpfen zwischen Rebellen und Militär rund um den Gorilla-Sektor, vor allem nahe Jomba und Bunagana an der ugandischen Grenze (Karte im Original-Gorillaprotection-Blog).

Am 7. Dezember dauern die Kämpfe noch immer an und die humanitären Probleme spitzen sich zu. Immer mehr Flüchtlingscamps werden gebaut. Bedenklich ist ein wildes Camp direkt am Park (bei Kibumba). Das bringt mehrere Probleme. Zum einen kann es kein offizielles Camp werden, weil es dort kein Wasser gibt, aber nur offizielle Camps dürfen u. a. mit Feuerholz versorgt werden. Die Flüchtlinge haben aber buchstäblich NICHTS, sie holen bereits Bambus aus dem Gorilla-Sektor und brennen dort Holzkohle. Um dies zu unterbinden (es sind ca. 4000 Leute und täglich werden es mehr), müssen nun diese Flüchtlinge und die Bevölkerung in der Pufferzone versorgt werden, mit Unterkünften, Nahrung, Brennstoff, damit der Park geschont wird - eine große Herausforderung für WildlifeDirect, WWF, FZS und UNHCR.
In Kibati ist ein neues Camp im Aufbau, das die Flüchtlinge von Kibumba aufnehmen soll; dies ist aber erst möglich, wenn es fertiggestellt ist, sonst entsteht totales Chaos. Solange MUSS Feuerholz bereitgestellt werden (sonst könnten die Schäden im Park durch illegales Holzkohlebrennen irreversibel werden). Hierfür arbeitet man eng mit dem WWF zusammen, der sowohl mit der Beschaffung als auch mit dem Transport des Holzes vertraut ist. Es werden jedoch Spenden benötigt: Für 20 US-Dollar kann Brennholz für zwei fünfköpfige Familien 4 Wochen bereitgestellt werden.

Der 10. Dezember beginnt mit Mörser- und Granatenhall, der vom See zurückgeworfen wird. Diese Situation bleibt unverändert bis zum 13. Dezember. Die Frage steht im Raum, wie viel die Gorillas vom Kampflärm hören und wie es ihnen dabei geht.

In den nächsten Tagen wird eindringlich um Spenden gebeten für Brennholz, weil man nicht warten kann, bis das Camp in Kibati fertiggestellt ist. Der Druck des illegalen Camps auf den Park ist zu groß.

Außerdem boomt das große Geschäft mit Holzkohle. Sowohl Leute, die aktuell dringend Brennstoff benötigen, als auch Geschäftemacher, welche die Holzkohle nach Ruanda bringen, sind beteiligt. Seit September ist eine zehnfache Zunahme zu verzeichnen, da wegen des Krieges Kontrollen unmöglich sind und weil jeder daran verdient: Wer gerade die Region kontrolliert, ob Rebellen oder Militär, alle nehmen "Wegezoll", beim Betreten des Parks und vor allem beim Abtransport der fertigen Holzkohle.

Seit dem 12. Dezember, dem Beginn des Spendenaufrufs, sind in nur einer Woche knapp 13 000 der benötigten 20 000 US-Dollar zusammengekommen. Die Dankbarkeit ist riesig.

Trotz heftiger Kämpfe in der Umgebung gehen die Wildhüter auf Patroullien, um mittels Verhaftungen usw. die Herstellung von Holzkohle einzudämmen.

In der Folgezeit wurde am 26. Dezember das 20 000-US-Dollar-Ziel für Feuerholz erreicht (ein paar Tage später sogar übertroffen), und die Mitarbeiter sind überglücklich und sehr dankbar für diese Hilfe. Täglich schwärmen Patrouillen zu Verhaftungen aus und auf den lokalen Märkten um den Gorilla-Sektor wird die Bevölkerung aufgeklärt, dass sie nicht ihr Erbe und ihre Zukunft zerstören darf, indem sie die Bäume des Virunga-Parks fällt. Aber die Versuchung, das allgemeine Kriegschaos auszunutzen und schnelles Geld mit Holzkohle zu machen ist groß, unabhängig von der Notwendigkeit, die Leute mit Feuerholz fürs Kochen zu versorgen.

Man hofft auf erfolgreiche Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien, weil man ansonsten die Hoffnung begraben kann. Da sind die Ereignisse nach den Wahlen in Kenia nicht gerade ermutigend.
Das neue Camp ist jedoch in Kürze fertig, so dass die "illegalen" Siedler bald dorthin umziehen können.

Am 3. Januar 2008 dann die traurige Nachricht: Eine MONUC-Patrouille fand bei Wilderern knapp außerhalb des Virunga-Parks nahe dem Südufer des Edward-Sees zwei Flachland-Gorillakinder. Diese waren wahrscheinlich für den Bushmeat-Markt bestimmt und wurden (auf Verhandlungsbasis) beschlagnahmt. MONUC ist nicht befugt, Wilderer zu verhaften. Leider haben die Soldaten nicht einmal Personalien festgehalten. Nun müssen die Ranger auch noch mühsam ermitteln, um die Wilderer doch noch einer Bestrafung zuzuführen.

7. Januar: Einer der kleinen Gorillas wiegt 10 kg und scheint in Ordnung zu sein, der andere wiegt 20 kg und ist durch Machetenhiebe verletzt und in sehr schlechtem Zustand. Sie sind beide traumatisiert und in ärztlicher Obhut. Die Sorge, dass der größere nicht durchkommt, ist aber groß.

9. Januar. Eine gute Nachricht: Beide Gorillas scheinen gesundheitlich stabil zu sein, der Durchfall des größeren bessert sich und er hat ein wenig gegessen.

13. Januar: Alles sah so gut aus, die beiden Gorilla-Waisen hatten Namen bekommen: Vumilia, der größere der beiden und Mapendo, der kleinere, ein Mädchen. Beide hatten gut gefressen und waren viel herumspaziert. Der Umzug von Mutsora nach Goma war bereits geplant, weil Vumilia gesundheitlich stabil war und keine Antibiotika usw. mehr brauchte. Aber in der Nacht vor dem geplanten Flug kollabierte er ganz überraschend und starb trotz aller Bemühungen der Ärzte in den frühen Morgenstunden. Die Todesursache soll nun per Autopsie (in USA) festgestellt werden.

14. Januar: Mapendo, die ihren Kumpel sehr geliebt hatte, wurde am nächsten Tag von Mutsora nach Goma verlegt. Dort werden auch die beiden anderen Waisen (Ndeze und Ndakasi) versorgt, mit denen sie aber zunächst nicht zusammenkommt.

16. Januar: Es gibt ein Dokument, das die Ranger berechtigt, Holzkohle zu konfiszieren. Sie versuchen die Holzkohleerzeugung einzudämmen, was wegen der vielerorts anwesenden Rebellen nicht durchführbar ist. Daher haben sich alle 36 Mann auf das Kontrollieren der Laster konzentriert, die Holzkohle zum Verkauf nach Goma bringen (s. Fotos im Blog). Teilweise sind die Wagen auch mit Feldfrüchten beladen, unter denen dann die Holzkohle versteckt ist.
Für die Kontrollen werden Straßensperren errichtet. Ein Fahrer (vorgewarnt) versuchte, die Barriere zu durchfahren, dabei kippte der Lastwagen um. Es gab harte Wortgefechte zwischen Rangern und Einheimischen, die Situation geriet außer Kontrolle. Auf die Ranger wurde eingeprügelt. Auch Militär war vor Ort. Als die Bevölkerung von den Rangern abließ, klaute ein Mann ein Gewehr und die Soldaten Barette und Stiefel der Ranger. Anschließend wurde deren Fahrzeug in den Graben gestoßen. 3 verletzte Ranger mussten 2 Nächte in der Klinik in Goma verbringen, sind aber auf dem Weg der Besserung. Bis jetzt sind ca. 20 t Holzkohle konfisziert worden.

18. Januar: Ein Besuch in Kibati: Wo die 4500 Leute mehr schlecht als recht "hausten", ist eine Siedlung entstanden, Wasser wird mit Lkw geliefert, es existiert ein Wasserspeicher. Da die Leute mit Lebensmitteln beliefert werden sollen, muss auch Brennholz dorthin gebracht werden. UNHCR hat noch andere NGOs, die hier helfen können.

21. Januar: Innocent ist nach Ruanda eingeladen worden, um die Kwitonda-Berggorilla-Familie zu besuchen, die 2004 über die Grenze ausgewandert ist. (Schöne Fotos!!) Die Wildhüter der beiden Länder arbeiten zusammen. Der Kwitonda-Familie geht es dort gut, sie hat sich von 14 auf 16 Mitglieder vergrößert und kann von Touristen besucht werden.

23. Januar: In Goma finden Friedensgespräche statt. 1300 Teilnehmer, 60 Arbeitsgruppen und fast 5 Millionen US-Dollar Kosten (übernomen von der EU). Die Einheimischen sind jedoch sehr skeptisch, ob ein Friede Bestand haben wird.

24. Januar: Inzwischen konnten 40 t illegale Holzkohle sichergestellt werden und täglich kommt mehr hinzu. Die Holzkohle wird nun anstatt an Schulen usw., wie sonst üblich, auf Geheiß des ICCN in den Flüchtlingscamps verteilt, wo insgesamt 65 000 Leute leben, die alles verloren haben. Die humanitäre Situation ist katastrophal.
Die Camps liegen zwar nicht direkt am Gorilla-Sektor, aber am Virunga-Nationalpark - und alles zusammen bildet ein Ökosystem. Die Bedrohung ist da und es ist sinnvoll, die Holzkohle in die Camps zu liefern, um den Wald zu schützen.
Es gibt noch jede Menge Lkws mit Holzkohle, und die Ranger haben sich vorgenommen, jeden aufzubringen, um zu signalisieren, dass sie nicht tatenlos zusehen, wie der Park zerstört wird.

Am 25. Januar wird berichtet über die Rugabo-Gruppe, deren namengebender Silverback bereits 1994 von einem Wilderer getötet wurde. Als man diese erste Gruppe im Kongo 1988 zu habituieren begann, gab man nur den Silberrücken einen Namen. Erst 10 Jahre später erhielten alle Gorillas Namen.

Bis heute haben die Ranger keinen direkten Zugang zu den Gorillas.
Das Stoppen der illegalen Holzkohletransporte jedoch ist weiterhin mit inzwischen über 100 Tonnen konfiszierter Ware erfolgreich, auch wenn man sich bei den Militärs viele Feinde gemacht hat, die mit der Unterstützung dieser Transporte gutes Geld verdient haben. Glücklicherweise werden die Bemühungen der Ranger aber vom Gouverneur unterstüzt.

Die Rebellen halten Goma und Bukima besetzt und haben die Straße vermint. Sie lassen die Ranger unter Androhung von Erschießen den Sektor nicht betreten, sondern fördern den illegalen grenzüberschreitenden Tourismus aus Uganda und machen gute Geschäfte, indem sie Touristen zu den Gorillas führen. Von der fehlenden Qualifikation der Führer abgesehen, werden keinerlei Auflagen (z. B. Anzahl der Touristen, täglich nur ein Besuch, Abstände zu den Tieren ...) eingehalten, was ein großes Gesundheitsrisiko für die Gorillas bedeutet.

Die Wildhüter sind genötigt, mit immer neuen Ideen zu arbeiten. Im Moment nutzen sie die Hilfe der Landbevölkerung, während der Feldarbeiten zu erkunden, was im Gorillasektor vor sich geht. Ansonsten konzentriert man sich weiter auf das Stoppen der Holzkohleproduktion, die wohl auf ein Drittel der bisherigen Menge zurückgedrängt werden konnte, und hofft, den Lebensraum der Gorillas so auf Dauer erhalten zu können.

Die Rebellen haben angeboten, für Gegenleistungen den Wildhütern wieder Zugang zum Gorilla-Sektor zu gewähren. Da sie aber für viele Gräuel dieses Krieges verantwortlich sind, sollen sie um keinen Preis unterstützt werden. Deshalb haben sich die Wildhüter entschieden, nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten, sondern mit der regierungstreuen Nationalparkbehörde ICCN.
Leider erhalten die Rebellen Nkundas aber aus den Tourismuseinnahmen von Jomba Hilfe für ihre Truppen. Deshalb wäre es am wichtigsten, wenn verhindert werden könnte, dass sie für 300 US-Dollars Touristen in den Sektor schleusen und sich mit diesem Geld weiter finanzieren.

14. März: Bei Patrouillen im südlichen Gorilla-Sektor (Kibumba, Mikeno Süd) fand man Schlingen von Wilderern und entfernte sie. Die Wildhüter hörten das Brusttrommeln eines Silberrückenmannes und man weiß, dass dort eine nicht habituierte vierköpfige Gruppe lebt. Am Mt. Kasirimbi verzichteten sie auf weitere Spurenverfolgung, weil häufig ruandisches Militär über die Grenze kommt, das zuvor einmal Wilderer geschnappt und mitgenommen hatte, welche gerade einem Hinterhalt der Ranger entkommen waren.
Die Situation in der Virunga-Region: Kämpfe, nur Verlierer. In den Flüchtlings-Camps gibt es Cholera, Hunger, Kindersterblichkeit mangels Hygiene, Vergewaltigungen usw. - schlicht katastrophal.

Am 15. März wurde von einer Geburt in der Lulengo-Familie berichtet.

19. März: Der ehemalige Parkdirektor, Honore Mashagiro, ein einflußreicher, mächtiger Mann, wurde verhaftet. Er steht unter Verdacht, der Drahtzieher für das Massaker im Juli letzten Jahres zu sein. Er hatte aus Geldgier die Holzkohleproduktion im Park gestartet und wollte die erfolgreich dagegen vorgehenden Ranger mit der Aktion abschrecken.

20. März: Ein Reiseveranstalter in Jomba brachte die Nachricht, dass eine neunköpfige Gorillagruppe von Ruanda in den Congo übergewechselt ist. (bestätigt von Wildhütern)

4. April: Die Ranger haben wieder Schlingen gefunden, aber vermehrt auch ausgelegtes Gift, was extrem besorgniserregend ist (es könnte eine ganze Gorillafamilie auslöschen). Aber es wurden auch wieder Wilderer festgenommen, ebenso Holzfäller, bevor sie ihr Werk beginnen konnten.

5. April: Da seit einer Woche ein Bauer spurlos verschwunden ist, wird erwähnt, dass im letzten halben Jahr dieses häufiger vorkam, weil um des reinen Überlebens willen Leute im von Rebellen kontrollierten Teil ihre Felder bestellen müssen. Keiner der Vermissten ist wieder aufgetaucht, obwohl man alles tut, sie zu finden.

16. Mai: Viel ist nicht geschehen in den letzten Wochen. Aber immerhin gibt es einige gute Nachrichten:
Ein seit Wochen vermisster Dorfbewohner ist zurückgekommen. Er war von Rebellen entführt, misshandelt und zur Arbeit gezwungen worden. Nachdem er alle Aufträge immer gut erledigt hatte, wurde er auf "Familienurlaub" entlassen. Nun erholt er sich erst einmal.
Die Holzkohle-Konfiszierungen laufen weiterhin gut, auch wenn die Säcke trickreich auf Militär-Lastwagen und zwischen Gemüsetransporten versteckt werden.
Die Rebellen haben den Patrouillenposten Gatovu verlassen. Die Gebäude sind weitgehend unversehrt geblieben, aber der Wald in der Umgebung wurde für Holzkohle abgeholzt. Trotzdem ein Hoffnungsschimmer für die Wildhüter, nun nach und nach in die Gorillagebiete zurückkehren zu können.
Es gibt im Blog viele Video-Clips von Aktionen und Beobachtungen der Ranger im Einsatzgebiet.

Während die Ranger am 19. Mai Büffel und Rhinos harmonisch im Ishasha-Fluss zusammen sahen, fanden sie am 22. Mai einen toten Elefanten, dessen Stoßzähne und Fleisch entfernt worden waren. Das soll im 60 km Umkreis von Rumangabo jetzt häufiger vorkommen.

2. Juni: Es wurden viele Schlingen gefunden und ein Wilderer verhaftet. Von einem Soldaten wurde ein Äffchen konfisziert.

Am 12. Juni fand die Beerdigung des Direktors des Virunga-Nationalparks statt, Alexandre Wathaut. Er starb eines natürlichen Todes.

Am 16. Juni fand man viele Schlingen im Gebiet der Kabirizi-Gruppe, wo sich immer noch Rebellen aufhalten. Der Gatovu-Rangerposten ist wieder geöffnet, aber der Wald hat durch Holzkohlegewinnung und Jagd für Bushmeat sehr gelitten, während er die Front zwischen der kongolesischen Armee und Rebellen bildete.

Die Fahrer der Holzkohletrucks werden agressiver und sind immer mehr nachts unterwegs, um die Straßensperren mit Gewalt und Geschwindigkeit zu durchbrechen.

Am 19. Juni wurden wieder große Touristen-Gruppen von den Rebellen zu der Mapuwa- und der Lulengo-Gruppe geführt, ohne Auflagen zu beachten.

Am 23. Juni musste der Posten Gatovu wegen Rebellenaktivitäten evakuiert werden. Trotzdem hilft die Bevölkerung weiter beim Bau bzw. der Reparatur eines steinernen Schutzwalls, der die Grenzen des Virunga-Parks markieren und von der ugandischen zur ruandischen Grenze reichen soll. Er trennt Farmland und Schutzgebiet.

Am 30. Juni wurde eine Rangerpatrouille aus Kibumba von Rebellen aufgebracht, nachdem sie Holzkohle von 2 Frauen konfisziert hatte. 3 Ranger wurden gefangen genommen, 5 konnten fliehen. Nach zähen Verhandlungen per Telefon wurden die 3 Ranger schliesslich freigelassen, obwohl man sich nicht auf einen Tausch - Gefangene gegen konfiszierte Holzkohle - eingelassen hatte.
 

zur Virunga-Nationalpark-Übersicht

Homepage