Matto Barfuss: Unter Berggorillas
Nach zahlreichen Besuchen bei den Gorillas der Virunga-Vulkane hat Matto
Barfuss ein Buch veröffentlicht, in dem er seine Erlebnisse in Bildern
und Worten beschreibt. Die Berggorillas sind bei diesem Buch allerdings
nur Kulisse - nicht sie stehen im Vordergrund, sondern Matto Barfuss.
Wenn es ihm in erster Linie um die Tiere und ihr Überleben gehen
würde, könnte er sich selbst zurücknehmen.
Der Autor lebt die Sehnsüchte seiner Fans, die auch gern als Abenteurer
durch Afrika reisen und Freundschaft mit Tieren schließen würden.
Aber sehen die Gorillas Matto Barfuss wirklich als Freund, wie er es gern
behauptet? Tatsache ist, dass Gorillas Stress empfinden, wenn ihnen fremde
Menschen nahe kommen - und jeder Tourist ist für sie ein Fremder,
auch Matto Barfuss, selbst wenn sie ihn schon mehrmals gesehen haben.
In seinem Buch und in seinen Vorträgen erweckt er den Eindruck, als
ob er der erste gewesen wäre, der sich den Berggorillas genähert
hat; aber bereits Dian Fossey (sie wird nicht einmal erwähnt) hat
Berggorillas an Menschen gewöhnt. Ohne langwierige Habituierungen
zahlreicher Gorillagruppen für Touristenbesuche wäre es dem
Autor überhaupt nicht möglich gewesen, die Tiere zu besuchen.
Matto Barfuss betont immer wieder, wie wichtig es ihm ist, zum Schutz
der Berggorillas beizutragen. Allerdings überzeugt er nicht wirklich
- weder mit seinem Projekt, das Bücher an Schulkinder verteilt (das
ist nicht neu und wird von anderen Organisationen bereits seit Jahrzehnten
getan), noch mit seinem Verhalten. Stolz erzählt er, wie er die Anweisungen
der Wildhüter missachtet. Das ist nicht nur arrogant, sondern vor
allem gefährlich und beweist mangelndes Verständnis für
Gorilla- und Naturschutz.
Gorillas zu schützen bedeutet auch, sie möglichst wenig zu stören.
Je näher man ihnen kommt, desto stärker werden sie gestört
- auch wenn Matto Barfuss meint, dass sie seine Nähe suchen. Allein
schon die Achtung vor den Tieren (abgesehen von weiteren Faktoren wie
der Gefahr von Krankheitsübertragung) gebietet, Abstand zu halten.
Es ist respektlos, die Tiere als Objekte zu behandeln, die egoistische
menschliche Bedürfnisse befriedigen. Ist es Absicht oder Unwissenheit,
wenn Matto Barfuss in Unter Berggorillas diesen Eindruck erweckt?
Angela Meder
Zum Thema "Mensch und Gorilla" äußern sich hier
verschiedene Autoren.
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