PresseDie B&RD e.V. wird 25!

Mülheim an der Ruhr, 4. Juni 2009. Vor 25 Jahren beschlossen drei Enthusiasten aus der Mitte Deutschlands, sich für den Schutz der vom Aussterben bedrohten und in der deutschen Heimat wenig bekannten Berggorillas in Ruanda einzusetzen. Heute ist aus dieser Keimzelle ein Spezialist für den Gorilla- und Naturschutz geworden, der immer dann einspringt, wenn die Projektmittel großer Tierschutzorganisationen ausgeschöpft sind, und damit den Fortbestand angelaufener Schutzmaßnahmen sicherstellt. Viele Organisationen schätzen die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD) als zuverlässigen Partner. Sie ist bis heute der einzige auf Gorillaschutz spezialisierte Verein Deutschlands. Da die B&RD über keinen Verwaltungsapparat verfügt, kein Geld für Werbung ausgibt und alle Mitarbeiter unentgeltlich arbeiten, kommen die Spenden direkt bei den Projekten an.

"Die Arbeit von B&RD sichert Nachhaltigkeit im Gorillaschutz", attestiert der Schweizer Carlos Schuler. "Mit Unterstützung von B&RD konnten wir sehr oft dort eingreifen, wo Gelder zu Ende waren." Carlos Schuler war viele Jahre Mitarbeiter der GTZ im Gorillaschutzgebiet des Nationalparks Kahuzi-Biega. Er ist heute selbstständiger Hotelier in Bukavu im Ostkongo. Besonders beeindruckt ist Schuler von der unermüdlichen ehrenamtlichen Tätigkeit der B&RD: "Finanzielle Ausgaben für administrative Arbeiten werden auf ein Minimum reduziert. Die Hilfsgelder kommen durch Mitarbeiter in den Schutzgebieten vor Ort direkt den wichtigen Aktivitäten zugute. In großen NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) wird dagegen ein bestimmter Prozentsatz der finanziellen Mittel durch Planungen, Evaluierungen und Reisen verzehrt. Die Arbeit von B&RD zeigt, dass man auch mit kleineren finanziellen Ressourcen Großes bewegen kann."
Auch der Zoologe und Verhaltensforscher Jörg Hess, bekannt für seine Erforschung der Mutter-Kind-Beziehung bei den Berggorillas und ein profunder Kenner des Gorillaverhaltens, sagt auf die Frage, wie man Berggorillas effizient helfen könne: "Das ist eine Frage, die ich oft gestellt bekomme. Seit längerer Zeit ist mein Rat immer derselbe: über die B&RD. B&RD bietet kurze Entscheidungswege und macht vor allem in Notsituationen rasches Handeln möglich."
Anlass der Vereinsgründung von B&RD war eine Afrikareise 1983 von Paul-Hermann Bürgel und seine Begegnung mit einem Mitarbeiter der berühmten Gorillaforscherin Dian Fossey. Von ihm erfuhr Bürgel, wie bedroht die Berggorillas waren. Als dann vor 25 Jahren, im Juni 1984, der Verein gegründet wurde, der damals noch Berggorilla Patenschaft e.V. hieß, zählte Rolf Brunner zu den Mitgliedern der ersten Stunde. Als gelernter Buchhalter war er von Anfang an für die Vereinsfinanzen verantwortlich. Noch heute ist er Mitglied des Vorstands.

Informationsmaterial - im Wohnzimmer gelocht und geheftet

Rolf Brunner erinnert sich: "Bis zu Pauls Afrikareise 1983 hatte ich keine Ahnung davon, dass es so etwas wie Berggorillas gibt. Ich kannte Paul durch Manfred Hartwig. Manfred wohnte bei uns im Haus und Paul in Oberhausen - direkt ‚nebenan'. Daher sahen wir uns häufig und lernten uns kennen. Man braucht sieben Leute, um einen Verein zu gründen. So sammelte Paul seine Bekannten zusammen."
Zur ersten Mitgliedsversammlung kamen neben den Gründungsmitgliedern gerade einmal drei oder vier Leute, bei der zweiten immerhin schon acht. Rolf Brunner: "Wir konnten uns keinen großen Presseaufwand leisten, also gab es nur Mund-zu-Mund-Propaganda." Damals gab es noch keinen PC, der die anfallenden Arbeiten erleichterte. Die ersten Vereinszeitungen waren Kopien von Zeitungsberichten mit wenigen selbst verfassten Texten von Brunners Ehefrau. "Die Zeitungen wurden in unserem Wohnzimmer von Paul, Manfred und mir sortiert, gelocht und geheftet. Die Poster waren noch handgeschrieben."

Zeitgemäßer Gorillaschutz: Direkt, mit Fachjournal und Webseite

Von den Berggorillas im Dreiländereck Demokratische Republik Kongo/Ruanda/Uganda weitete sich der Fokus bald auf andere, ebenfalls bedrohte und weniger bekannte Gorillabestände aus: die Grauergorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark und anderen Gebieten Ostafrikas, später auch die Westlichen Flachland- und Cross-River-Gorillas im westlichen Afrika.
Der Lebensraum der Gorillas ist der Regenwald. B&RD will die Zerstörung der Wälder verhindern, vor allem in sehr dicht besiedelten Gebieten, wo nur noch kleine Waldflächen erhalten sind. Die Aufforstung abgeholzter Areale mit heimischen Baumarten wird gefördert. Aber Gorillaschutz bedeutet für B&RD nicht nur, die natürlichen Lebensräume der sanften Riesen zu bewahren, sondern auch darauf hinzuarbeiten, dass die einheimische Bevölkerung die notwendigen Schutzprojekte akzeptiert, sie aktiv unterstützt und von ihnen profitiert.
Für ihre Mitglieder, für Forscher und Gorillafreunde bringt B&RD regelmäßig das Gorilla-Journal in Deutsch, Englisch und Französisch heraus. Vorstandsmitglied Dr. Angela Meder: "Das Gorilla-Journal informiert alle Interessierten über Neuigkeiten aus Gorillaforschung und -schutz." Und der Primatologe Jörg Hess lobt: "Die Zeitschrift ist spannend, aktuell, kompetent, überaus informativ und ansprechend gestaltet. Sie verbindet langfristig nicht nur mit Spendern und Mitgliedern, sondern auch mit den Berggorillas." Besonders für diejenigen, die keine Internet-Verbindung haben, ist das Gorilla-Journal eine wichtige Informationsquelle. Die englische Ausgabe wird international verteilt, die französische Ausgabe wendet sich speziell an Leser im französischsprachigen Afrika, die im Gorillaschutz tätig sind. Eine weitere Informationsquelle ist www.berggorilla.org. Dr. Meder: "Unsere Webseite ist inzwischen zu einer zentralen Informationsquelle für alle diejenigen geworden, die seriöse, aktuelle Informationen über Gorillas suchen. Wir halten sie ständig auf dem neuesten Stand."

Die Menschen vor Ort einbeziehen

Eine sehr wichtige Aufgabe ist die Unterstützung und Aufklärung der Menschen am Rand der Schutzgebiete bzw. im Lebensraum der Gorillas. Durch den Schutz der Wälder sichern sie nicht nur das Überleben der Tiere, sondern auch ihr eigenes. B&RD unterstützt Projekte, die die lokale Bevölkerung über die Bedeutung der Schutzgebiete und die Folgen der Abholzung und anderer schädlicher Folgen der Waldnutzung aufklären. Wildhüter, die entscheidend zum Schutz der Gorillas beitragen, erhalten regelmäßig Ausrüstungsgegenstände, damit sie in den fast undurchdringlichen Wäldern arbeiten können. Auch in Kriegszeiten bemüht sich der Verein, den Kontakt zu den Wildhütern und Nationalparkverantwortlichen zu halten. Dr. Meder: "Diese Menschen versuchen selbst unter lebensgefährlichen Bedingungen, so lange wie möglich regelmäßige Patrouillen durchzuführen und den Gorillas ein Mindestmaß an Schutz zu gewährleisten."
Rolf Brunner beschreibt, wie sich das Engagement von B&RD seit den Anfängen verändert hat: "Wir haben heute sehr viele gute Kontakte zu anderen NGOs, vor allem in Afrika. Und mittlerweile haben wir mit dem kongolesischen Biologen Claude Sikubwabo Kiyengo einen wirklich sehr guten Mitarbeiter gewonnen, der für uns viele Kontakte vor Ort knüpft und Hilfeleistungen für uns organisiert. Er vertritt uns auf Treffen der NGOs in Afrika. Auch von ihm erfahren wir über benötigte Hilfen. Darüber hinaus vermittelt uns Claude wertvolle Informationen über die Organisationen, die um Hilfe anfragen, so dass wir sicher sein können, dass die Unterstützung richtig ist und ankommt. Damit auch die Bevölkerung die Vorteile des Gorillaschutzes kennenlernt, haben wir über eine deutsche Lehrerin in Uganda, die mit einem ugandischen Arzt verheiratet ist, die Möglichkeit, von einheimischen Frauen vor Ort Pullover für die Wildhüter in den Nationalparks anfertigen zu lassen." Und stolz fügt er an: "In Afrika haben wir einen guten Namen im Gorillaschutz."

Gorillas brauchen nach wie vor Hilfe

Nach 25 Jahren haben sich zumindest in einigen Regionen die Zahlen der Gorillas stabilisiert. Neue Schutzgebiete für die Primaten sind entstanden. Aber auch im Jahr 2009, das die UN zum Jahr des Gorillas erklärt hat, ist der Lebensraum der großen Menschenaffen noch immer bedroht, und der Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter von B&RD und anderer NGOs bleibt auf unabsehbare Zeit ohne Alternative. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit garantiert B&RD seinen Mitgliedern und Spendern, dass Hilfsgüter direkt bei den jeweiligen Projekten ankommen. Kein starres Konzept wird verfolgt, sondern Entscheidungen werden für den Einzelfall, schnell und unbürokratisch, entsprechend der jeweiligen Situation und den Bedürfnissen, getroffen.
Jörg Hess formuliert einen Geburtstagsgruß: "Eigentlich genügt zum Jubiläum die herzliche Gratulation, ein Dankeschön für die vergangenen 25 Jahre - und es gibt den Wunsch für ein erfolgreiches Danach."

  • Eine Berggorilla-Mutter mit ihren zwei Kindern im dichten Unterholz des "undurchdringlichen" Bwindi-Waldes, Uganda (© Ulrich Karlowski)
  • Die B&RD-Gründungsmitglieder Manfred Hartwig, Rolf Brunner und Paul-Hermann Bürgel, die vor 25 Jahren beschlossen, für den Schutz der bedrohten Berggorillas aktiv zu werden. (© Angela Meder)
  • Die Vorläufer des Gorilla-Journals - eine wichtige Informationsquelle über die verschiedenen Gorilla-Arten und ihre Lebensräume. (© Angela Meder)
  • Der Biologe Claude Sikubwabo, B&RD-Kontaktmann vor Ort
  • Laut der Roten Liste bedrohter Arten gelten drei der vier Gorilla-Unterarten als vom Aussterben bedroht. Von den Berggorillas der Virunga-Vulkane (im Bild) gibt es noch etwa 380 Tiere. (© Uwe Kribus)
  • Laut der Roten Liste bedrohter Arten gelten drei der vier Gorilla-Unterarten als vom Aussterben bedroht. Von den Berggorillas der Virunga-Vulkane (im Bild) gibt es noch etwa 380 Tiere. (© Uwe Kribus)
  • Das Kagwene-Gorillaschutzgebiet umfasst eine Fläche von 19,44 km² und erreicht Höhen von bis zu 2000 m. Hier leben Cross-River-Gorillas, die am meisten gefährdeten Menschenaffen. (© Aaron Nicholas)