PresseAufforstung und Gorillaschutz

Wie Wiederaufforstung dem Gorillaschutz dient

Kongolesische Schulkinder pflanzen Tausende Bäume

Demokratische Republik (DR) Kongo. Rebellenorganisationen, die Bevölkerungen im Osten des riesigen Landes tyrannisieren, Gewaltausbrüche im Zusammenhang mit der Parlamentswahl im November 2011 – die Demokratische Republik Kongo ist kein Lieferant guter Nachrichten. Umso erfreulicher ist die Meldung, dass ein ehrgeiziges Wiederaufforstungsprojekt am Mt. Tshiaberimu weit über Plan liegt, dank dem Engagement von Schulklassen. Das Wiederaufforstungsprogramm wird unterstützt von der deutschen NGO Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (B&RD).

Die Bevölkerung im Osten der Demokratische Republik Kongo ist arm. Weniger als zehn Prozent der Einwohner können einer regulären Beschäftigung nachgehen. Nur 33 Prozent der Bevölkerung haben eine Schule besucht, und nicht jeder erhält dort die notwendigen Lese- und Schreibkenntnisse. Der Zugang zu medizinischer Versorgung bleibt vielen Kongolesen verwehrt. Willkür bei Justiz, Polizei und den Streitkräften ist weit verbreitet. Viele Einwohner leben vom Handel mit Holzkohle. Dafür wird hektarweise Urwald abgeholzt, der Lebensraum vieler seltener und bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Auch vor Nationalparkgrenzen wird dabei nicht Halt gemacht. Am Mt. Tshiaberimu (3100 m), der zum Parc National des Virunga gehört, leben 16 der „stark gefährdeten“ Grauergorillas.

In einem Pilotprojekt sollen nun in einigen Dörfern Flächen am Rand des Mt. Tshiaberimu aufgeforstet werden. Dafür wurden von B&RD drei Schulen ausgewählt, die für jeweils sechs Monate in drei aufeinander folgenden Jahren Bäume auf den vorgesehenen Flächen pflanzen werden, um den Holzeinschlag zu kompensieren. Dabei werden mehrere Baumarten verwendet, die die Bevölkerung besonders gut für verschiedenste Zwecke nutzen kann und die obendrein zum Teil die Bodenfruchtbarkeit erhöhen.

218 Prozent über Plan

Geplant war, dass jährlich 24 000 Setzlinge gezogen und 12 Hektar ersten Jahr bereits beachtliche 52 500 Setzlinge ausgebracht und rund 35 Hektar neu wiederaufgeforstet werden sollten. Nach Ablauf des ersten Jahres zeigte sich, dass im bepflanzt waren. Ein fantastischer Erfolg! Und trotz der mehr als verdoppelten Pflanzzahl wurden die geplanten Kosten eingehalten. Durch diese Aktion gelang es den Schülerinnen und Schülern, ihre Eltern, die Kirchen und Behörden für eine nachhaltige Bewirtschaftung zu gewinnen und sie für die Folgen der Bodenerosion zu sensiblisieren, die eine Folge der Entwaldung und des Raubbaus in der Landwirtschaft ist.

Auch der Gorillaschutz profitiert davon: Müssen die Wälder in den Nationalparks nicht mehr zur Holzkohlegewinnung für die einheimische Bevölkerung herhalten, dann können die Gorillas des Mt. Tshiaberimu in ihrem Wald überleben. Und wie man auch in DR Kongo weiß: Mit Gorillatourismus lässt sich eine Menge Geld verdienen.

Das Pflanzprojekt macht Schule

Die Schüler wollen ihre Baumschulen über die vorgesehenen sechs Monate hinaus pflegen und instand halten, und weitere Schulen im Umfeld des Mt. Tshiaberimu würden ebenfalls gern an diesem Programm teilnehmen. Auch andere Regionen haben bereits Interesse angemeldet: das Sarambwe-Reservat und weitere Gebiete im Virunga-Nationalpark. Es ist wichtig für die Bewohner im Osten der Demokratischen Republik Kongo, dass sie in den internationalen Medien auch einmal mit positiven Schlagzeilen auf sich und ihren Einsatz für ihr Land aufmerksam machen können.

  • An der neuen Aufforstungsfläche am Mt. Tshiaberimu im Osten der Demokratischen Republik Kongo (© Jean de Dieu Vhosi)
  • Leucaena-Setzlinge vor dem Auspflanzen. Diese Bäume verbessern die Bodenfruchtbarkeit; die Zweige werden als Viehfutter genutzt und das Holz wird auf verschiedene Weise verwendet. (© Jean de Dieu Vhosi)
  • Die neue Ausgabe des Gorilla-Journals (Nr. 43, Dezember 2011)