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Habituierung in Loango

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 53, Westliche Flachlandgorillas, Sonstige Länder, Tourismus, Sonstige Schutzgebiete, Gorillagruppen

Silberrückenmann Kamaya in einem Iroko-Baum (© Martha M. Robbins)

Zwei Komponenten des Gorillaschutzes sind Forschung und Tourismus. Tourismus bringt dringend benötigte Einnahmen für Schutzaktivitäten und weckt Bewusstsein für Menschenaffen. Berggorillas werden seit Jahrzehnten erforscht und der Tourismus hat sich als erfolgreiche Schutzstrategie erwiesen. Im Gegensatz dazu wurden seit den späten 90ern nur wenige Gruppen Westlicher Flachlandgorillas an wenigen Standorten erfolgreich an Menschen gewöhnt, obwohl sie mit einer viel größeren Gesamtpopulation viel weiter verbreitet sind. Daher weiß man vergleichsweise wenig über Westliche Gorillas.

Um das zu ändern, rief im Jahr 2005 das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im gabunischen Loango-Nationalpark ein Projekt zur Habituierung Westlicher Flachlandgorillas ins Leben, das sowohl Forschungs- als auch touristischen Zwecken dienen sollte. Hauptziele hierbei waren das bessere Verständnis der Ökologie, des Verhaltens und der Demografie Westlicher Gorillas ebenso wie die Einführung des Gorillatourismus in Zusammenarbeit mit den gabunischen Nationalparkbehörden. Da Gorillas instinktiv Angst vor Menschen haben, muss man sie in einem längeren Prozess an menschliche Anwesenheit gewöhnen (Habituierung); erst dann lassen sie sich aus der Nähe beobachten. Während Berggorillas in der Regel nach ein oder 2 Jahren habituiert sind, benötigt man hierfür bei Westlichen Gorillas mindestens 5 Jahre.

Die erste Herausforderung besteht bereits darin, die Gorillas zu finden. Beim Fährtenlesen verlassen sich die meisten Projekte für Westliche Gorillas, inklusive Loango, auf Pygmäen. Sind die Gorillas erst einmal entdeckt, muss man sie davon überzeugen, dass man ihnen keinen Schaden zufügen will, sondern nur neutraler Beobachter in ihrer Umgebung ist. Im Lauf der Zeit entwickeln sie dann langsam eine größere Akzeptanz, fassen schließlich Vertrauen zu menschlichen Besuchern und erlauben ihnen, ihr Leben zu beobachten.

Nach ein paar "Fehlstarts" begannen wir 2009 mit der Habituierung der Atananga-Gruppe, die derzeit 16 Gorillas umfasst. Wir können inzwischen fast regelmäßig 8 Stunden mit der Gruppe verbringen.

Loango unterscheidet sich ökologisch von anderen Standorten, an denen Westliche Flachlandgorillas studiert wurden: Es gibt dort ein Mosaik von Habitaten - Küstenwald, Savanne, Sümpfe, Sekundärwald und Primärwald. Mehrere Kraut- und Fruchtarten, die an anderen Orten häufig von Westlichen Gorillas gefressen werden, fehlen hier oder sind eher selten. Die Nahrungsökologie der Loango-Gorillas unterscheidet sich damit deutlich von der der Gorillas an anderen Orten. Loango ermöglicht so ein besseres Verständnis von der Flexibilität in Ökologie und Verhalten Westlicher Flachlandgorillas.

Das Projekt wird von der ANPN geleitet. Der Gorillatourismus in Loango begann im Juni 2016. Bis jetzt fanden etwa 10 Touristenbesuche statt. Derzeit schränkt die ANPN den Tourismus auf nur 2 Tage pro Woche ein und wir halten uns an die bestehenden Richtlinien für den Menschenaffen-Tourismus. Diese besagen, dass höchstens 4 Touristen pro Tag eine Stunde lang die Gruppe besuchen dürfen. Hierbei müssen 7 m Abstand zwischen Mensch und Gorilla eingehalten werden. Außerdem müssen Schutzmasken getragen werden, um das Risiko einer Krankheitsübertragung von Mensch auf Gorilla zu reduzieren. Ferner sammeln wir Daten über das Verhalten der Gorillas, um zu kontrollieren, ob der Tourismus negative Auswirkungen auf diese hat.

Ein Besuch bei Westlichen Flachlandgorillas ist eine andere Erfahrung als die, Berggorillas zu sehen. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um zwei verschiedene Menschenaffenarten handelt, die in unterschiedlichen Lebensräumen leben. Dies macht es umso interessanter, sie in der Wildnis zu beobachten. Loango ist von Libreville aus an einem Tag erreichbar. Touristische Einrichtungen sind im Park verfügbar. Man darf auf weitere interessante Ergebnisse dieses Projekts gespannt sein.

Martha M. Robbins