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Gorillawaisen bei GRACE

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 53, Grauergorillas, D. R. Kongo

GRACE-Gorillas in ihrem großen Waldgehege (© GRACE)

Das Rehabilitations- und Umweltbildungszentrum für Grauergorillas, GRACE, ist das einzige seiner Art. Es wurde 2010 in Kasugho, Nord-Kivu, in der Demokratischen Republik Kongo als Auffangstation für Jungtiere gegründet, die durch Wilderei oder illegalen Handel verwaisten.

Das GRACE-Zentrum beherbergt mittlerweile 14 Gorillas (11 weibliche und 3 männliche) im Alter zwischen 18 Monaten und 16 Jahren. Im Schnitt kommt pro Jahr ein neues Tier auf die Station, das in der Regel noch nicht entwöhnt ist. Alle haben ernste Probleme wie Traumatisierungen, Mangelernährung, Verletzungen oder Knochenbrüche, sodass wir um jedes Tier kämpfen mussten.

Bisher waren wir dabei sehr erfolgreich, obwohl wir auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen konnten, da es noch keine Grauergorilla-Waisenstation gab. Unser Ansatz ist es, den Gorillas ein möglichst sozial intaktes und natürliches Umfeld zu bieten, um sie zu heilen und auf ein Leben in der Wildnis vorzubereiten. Fachliche Unterstützung holten wir uns bei US-amerikanischen Zoos, bei profilierten Experten für Gorillaaufzucht. Sechs Zoos schickten uns 24 Fachleute, die uns vor Ort in den Bereichen Gorilla-Tiermedizin, Ernährung, Gehege-Ausstattung, Verhaltensforschung, Bildungsprogramme und Tiermanagement berieten und ausbildeten. Sie stehen uns auch ständig als Beraterstab zur Verfügung. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit den Gorilla Doctors zusammen.

Bei GRACE leben die Gorillawaisen in einer Gruppe, die von einem 16 Jahre alten weiblichen Gorilla geführt wird. Das älteste Männchen ist mit 8 Jahren noch zu jung für diese Aufgabe. Unsere Neuzugänge führen wir, sobald sich ihr physischer und psychischer Zustand stabilisiert hat, in die Gruppe ein. Da wir mit der natürlichen Gruppenhierarchie arbeiten, versichern wir uns zunächst, dass die Jungtiere von der Alpha-Frau akzeptiert werden. Dieser Ansatz war bisher zu 100% erfolgreich. Durch den Überschuss weiblicher Tiere konnte jeder Neuling von einer Ersatzmutter adoptiert werden. Diese trägt ihren Schützling mit sich herum, schläft mit ihm zusammen und verteidigt ihn innerhalb der Gruppe. Eine solche enge Beziehung ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Rehabilitation - für beide, denn Kind und Ersatzmutter profitieren gleichermaßen von der sozialen Interaktion. Manche Ersatzbeziehungen halten jahrelang.

Das GRACE-Zentrum liegt im ehemaligen Grauergorilla-Habitat. 2015 eröffneten wir ein 10 ha großes Waldgehege, in dem die Gruppe ihre Tage verbringt. Die Gorillas suchen ihr Futter zum Teil selbst, statt nur auf Fütterungen zu warten. Von Wachtürmen am Rand des Geheges können wir beobachten, wie die Tiere ein natürliches Verhalten entwickeln, etwa Nester in Bäumen bauen oder in der Gruppe umherstreifen. Allerdings reicht das Nahrungsangebot des Waldes nicht aus, sodass wir auch zufüttern müssen, um ihre vollwertige Ernährung zu garantieren. Im Juli 2016 gründeten wir deshalb eine Gorillafutterfarm und bauen dort wilde Nahrungspflanzen an. Das ist nachhaltiger als Pflanzen in den Wäldern der Umgebung zu sammeln. Mit einem Spezialisten für Tierernährung entwickelten wir darüber hinaus spezielle Kekse, die wichtige Nahrungsergänzungsstoffe für Gorillas enthalten. Die Kekse werden aus lokal verfügbaren Zutaten hergestellt und täglich im GRACE-Zentrum gebacken.

Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe ist unser Bildungsprogramm. Im GRACE-Zentrum können Kongolesen die jungen Waisen beobachten und sich über die seltenen Tiere informieren. Grauergorillas leben nur im Ostkongo und wir möchten erreichen, dass unsere Besucher stolz auf diese besonderen Tiere ihrer Region sind und deren Schutz unterstützen. Wir begrüßen über 200 Besucher pro Monat, vor allem Schulkinder und lokale Gruppen. Zusätzlich entwickeln wir mit lokalen Gemeinden Schutzprogramme, etwa eine Baumpflanzaktion, bei der wir im letzten Jahr über 2500 Bäume gepflanzt haben. 2017 wollen wir diese Programme fortsetzen.

Sonya Kahlenberg und Jackson Kabuyaya Mbeke

Aktuelle Informationen aus dem GRACE-Zentrum finden Sie auf der GRACE-Website sowie auf Facebook (GRACE4gorillas) oder Twitter (@GRACEgorillas).