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Das Land mit den Gorillas teilen

Kategorie: Ausgabe 53, Gorilla Journal, Grauergorillas, D. R. Kongo, Itombwe, Schutzmaßnahmen

Karte des Mwana-Tals in Itombwe; zu sehen sind Fundstellen von Wildtieren, Wald und die wichtigsten Ökosysteme

Das Itombwe-Naturreservat gehört zu den artenreichsten Gebieten des Ostafrikanischen Grabens und beherbergt die stark bedrohten Grauergorillas (Gorilla beringei graueri). Das Gebiet wurde bereits im Jahr 2006 zum Naturreservat erklärt, jedoch ohne die betroffenen Gemeinden in die Planung einzubeziehen, was zu Konflikten führte.

Seit 2008 wird versucht, in einem partizipativen Prozess alle Interessenvertreter an den Schutzbemühungen zu beteiligen und gemeinsam die Grenzen des Schutzgebiets sowie Zonen unterschiedlicher Nutzung der Waldressourcen festzulegen. Es gibt jedoch bestimmte Gebiete, in denen die Bedürfnisse der Bevölkerung den Schutzbemühungen entgegenstehen, zum Beispiel das Mwana-Tal und das Zombe-Gebiet.

Traditionell teilte sich die Bevölkerung in diesen Gebieten den Lebensraum mit Wildtieren. Der Zugang zu Wildfleisch war durch die lokalen Chefs, zahlreiche Verbote, Tabus und den Glauben der Menschen bestimmt. Die Jagd auf Gorillas und Schimpansen war außer für kulturelle Zeremonien verboten. Inzwischen bedrohen aber zunehmende Abholzung, die Umwandlung des Walds in Agrarland, der Abbau von Erzen und der Handel mit Wildfleisch die natürlichen Ressourcen. Trotzdem ist das Mwana-Tal immer noch eines der wichtigsten Gebiete für den Schutz von Gorillas und Schimpansen mit einer relativ hohen Zahl von Menschenaffen.

Um das Mwana-Tal besser zu schützen, wurde mit den betroffenen Gemeinden eine Karte erarbeitet, die die Nutzung der natürlichen Ressourcen festlegt. Bei regelmäßigen Treffen mit allen Interessenvertretern wurde die Karte diskutiert und Konflikte wurden geklärt. Die erarbeitete Karte zeigt einerseits Gebiete, in denen Menschenaffen und andere Wildtiere vorkommen, und weist wichtige Ökosysteme aus. Andererseits sind die Bereiche gekennzeichnet, in denen die Menschen Ressourcen sammeln, jagen und Honig suchen. Gemeinsam wurden Schutzzonen, Zonen menschlicher Siedlungen, Zonen für Ackerbau und Weideland und Jagdzonen festgelegt.

Schlüsselfiguren für den Erfolg der Schutzbemühungen sind die traditionellen Chefs. Es ist wichtig, die lokalen Gebräuche und Machtverteilungen zu verstehen, um Widerstände abzubauen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Das Itombwe-Reservat gehört zu den ärmsten Gebieten des Ostafrikanischen Grabens. Die Bevölkerung hat kaum Alternativen zur Nutzung der natürlichen Ressourcen des Walds. Deshalb müssen die Schutzbemühungen immer begleitet sein von Maßnahmen, die das Leben der Bevölkerung verbessern, zum Beispiel durch nachhaltigen Ackerbau und Imkerei, den Bau von Schulen und Gesundheitszentren.

Deo Kujirakwinja, Alain Twendilonge, Onésiphore Bitomwa, Olivier Kisumbu, Bienvenu Shamavu, Léonard Milenge Eo, Luc Lukaba, Fidèle Kavuba, Sébastien Mupenda und Jeannot Katembo