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Menschenaffen-Schätzung

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 56, Westliche Flachlandgorillas, Gefahren, Bestandsaufnahme

Kamaya, Loango-Nationalpark, Gabun (© Martha Robbins)

Die Zahl der Westlichen Flachlandgorillas lag 2013 nach unserer Schätzung mit rund 360 000 wesentlich höher als bislang angenommen. Bei den Schimpansen waren es etwa 128 700 Tiere.

Westliche Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) leben in einem Gebiet, das ungefähr so groß ist wie Frankreich. Auf einem Viertel der Fläche wurden die Gorillabestände 2005 untersucht und auf 150 000 bis 200 000 geschätzt. Wie viele Tiere darüber hinaus im Verbreitungsgebiet tatsächlich vorkommen, war bisher unklar. Gemeinsam mit 51 Koautoren entwickelten wir deshalb eine Methode, mit der erstmals der Gesamtbestand der Westlichen Flachlandgorillas geschätzt werden konnte. Da sich ihr Verbreitungsgebiet zu 97% mit dem der Zentralafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes troglodytes) deckt, wurde deren Bestand ebenfalls bewertet. 

Wir verwendeten eine multi-variable Modellierungsmethode. Sie stützte sich auf Erhebungen, die zwischen 2003 und 2013 an 59 Standorten in fünf Staaten des westlichen Zentralafrika durchgeführt wurden. Die verwendeten Modelle berücksichtigen kritische Bestandsfaktoren, die die Dichte und Verteilung der Tiere in den untersuchten Gebieten am besten erklärten. Wir entschieden uns dabei für Faktoren, die nachgewiesenermaßen einen Einfluss auf die Populationsdichte der Primaten haben. Dazu gehören die Anwesenheit von Wildhütern, das Vorkommen des Ebola-Virus oder die Höhe der Baumkronen, aber auch menschliche Variablen wie Wilderei, Krankheitsübertragung oder die Degradation des Lebensraums, die den auf einem Gebiet lastenden Druck verdeutlichen. In gut untersuchten Gebieten konnten wir das Gewicht und den Einfluss der einzelnen Faktoren berechnen. Für Flächen, zu denen keine Erhebungen vorliegen, zogen wir anhand bekannter Bestandsfaktoren Rückschlüsse auf das Vorkommen der Gorillas und berechneten die vermutlichen Populationsgrößen.

Wir verfeinerten die Verbreitungskarten und untersuchten Trends. So bezifferten sich die jährlichen Verluste bei den Gorillas im Untersuchungszeitraum auf 2,7%; wir schätzen, dass sich die Zahl der Gorillas zwischen 2005 und 2013 um 20% reduziert hat. Setzen sich derzeitige Entwicklungen bis 2020 unverändert fort, wird die Zahl der Gorillas im westlichen Zentralafrika auf 300 000 zurückgehen. Die für 2013 geschätzte Gorillazahl würde sich bis 2040 halbieren.

Ebola hat dabei einen entscheidenden Einfluss. Auch wenn es seit 2005 keine Ausbrüche mehr gab, lauert das Virus noch immer in den Wäldern Kongos und Gabuns. Eine Epidemie kann in kurzer Zeit den Bestand dezimieren und mehrere tausend Tiere in wenigen Monaten dahinraffen, wie wir es in den 90er-Jahren und Anfang 2000 erlebten. Auch aus diesem Grund wurden die Westlichen Flachlandgorillas 2008 von der IUCN auf die Rote Liste der gefährdeten Arten gesetzt.

Unsere modellbasierten Bestandsschätzungen liefern den wissenschaftlichen Unterbau für die Entwicklung und Überwachung regionaler Schutzprogramme nach dem Action Plan 2015-2025 der IUCN. Schutzmaßnahmen auch außerhalb von Reservaten sind dringend nötig; immerhin leben dort rund 80% der Gorillas.

Liz Williamson, Samantha Strindberg und Fiona Maisels

Originalartikel: Strindberg, S., Maisels, F., Williamson, E. A. et al. (2018): Guns, germs, and trees determine density and distribution of gorillas and chimpanzees in Western Equatorial Africa. Science Advances 4, eaar2964

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