Westliche GorillasArtikel Westliche Gorillas

Vom Jäger zum Kleinunternehmer

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 41, Afi, Cross-River-Gorillas, Cross-River-Nationalpark, Erfolge, Mbe, Nigeria, Schutzmaßnahmen
Mark Otu von WCS (rechts) übergibt John Kidze die Schlüssel zu einem Schneckenkäfig und erhält dafür dessen Jagdausrüstung.

Mark Otu von WCS (rechts) übergibt John Kidze die Schlüssel zu einem Schneckenkäfig und erhält dafür dessen Jagdausrüstung. (© WCS)

Die Cross-River-Gorillas sind aufgrund der dichten Besiedelung der Regionen, in denen ihre Schutzgebiete liegen, vielfach bedroht. Daher müssen die Maßnahmen der WCS zum Schutz der Tiere auch die Bedürfnisse ihrer menschlichen Nachbarn einbeziehen.

Besonders bedroht sind die Gorillas sowie andere Wildtiere in den Schutzgebieten Afi Mountain Wildlife Sanctuary, Mbe Mountains Community Wildlife Sanctuary und Cross-River-Nationalpark durch die Jagd. Jäger aus den Dörfern im Umfeld der Schutzgebiete decken durch Wilderei den Fleischbedarf ihrer Familien bzw. verdienen Geld, indem sie die Jagdbeute verkaufen. Um dem entgegenzuwirken, hat die WCS ein Projekt ins Leben gerufen, das alternative Möglichkeiten vorsieht, den Lebensunterhalt zu verdienen: mit Schneckenzucht und Imkerei. Man tritt an die aktiven Jäger heran und überlässt ihnen Schnecken-Zuchtanlagen und Bienenkörbe im Tausch gegen ihre Jagdausrüstung. Die Waffen händigen sie zum Zeichen ihrer Bereitschaft in einem symbolischen Akt ihrem Dorfoberhaupt oder einem anderen Gewährsmann aus, der sämtliche Gewehre, Messer, Lampen usw. an die WCS weitergibt.

Das Projekt findet großen Zuspruch. 39 Jäger aus 30 verschiedenen Siedlungen haben bisher insgesamt zwölf Schnecken-Zuchtanlagen und 135 Bienenkörbe erhalten, die - nach einer entsprechenden Schulung - künftig ihr Auskommen sichern sollen.

Außerdem zeichnet die WCS für eine wöchentliche Radiosendung verantwortlich, die Jäger, Bauern, Fischer und Holzfäller am Rand der Gorillaschutzgebiete, aber auch Kinder und Jugendliche für einen sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen sensibilisieren soll. Die Sendungen, in denen Dorfoberhäupter, Jäger, Parkbeamte und Naturschützer miteinander diskutieren, werden in der lokalen Sprache Boki ausgestrahlt und erreichen schätzungsweise 10 000 Menschen in 74 Gemeinden.

Um den unmittelbaren Schutz der Gorillas in den Mbe-Bergen zu verbessern, hat die WCS im Mai 2010 zwölf Ökoguards intensiv und umfassend geschult. Es ging dabei um Patrouillenplanung, Strategien zum Aufspüren von Wilderern, körperliche Fitness sowie Methoden, mit denen Naturschutz-Wissen an die lokale Bevölkerung vermittelt werden kann. Seit die Ökoguards nach der zehntägigen Fortbildung ihre Patrouillengänge wieder aufgenommen haben, konnten sie bereits 8 illegale Jäger festnehmen und den Behörden übergeben; 3 von ihnen wurden mittlerweile verurteilt. Außerdem haben die Ökoguards 7 Lager von Wilderern zerstört und 167 Drahtschlingen konfisziert.


Andrew Dunn